Klimawandel ungebremst
Manche meinten in den letzten Wochen, die Grünen-Wahlergebnisse bei der NRW-Kommunalwahl in gut 5 Wochen (13.9.) könnten gemässigt ausfallen, weil der Sommer so gemässigt ausgefallen sei. Sie können sich beruhigen: wenn, dann wird es nicht am Wetter gelegen haben. Dafür muss weder auf Sibirien noch auf Spitzbergen verwiesen werden. Die nächste Hitzewelle mit über 30 Grad tags und 20 Grad nachts wird von den Meteorolog*inn*en ab übermorgen versprochen, rechtzeitig vor dem NRW-Schulbeginn. Vor Beginn der Hitzetage (oder -wochen?) notiert der Rhein in Bonn einen Pegelstand von 1,56 m, “fallend”.
Die Dramatik in Spitzbergen besteht darin, dass der dort installierte Saatgut-Tresor für Kulturpflanzenvielfalt eine funktionierende Kühlkette benötigt. Das zu realisieren wird immer schwieriger.
Die Klimaerwärmung am Polarkreis, u.a. in den Wäldern Sibiriens, ist nicht nur durch die Brände gefährlich, sondern vor allem durch das Auftauen des Permafrostbodens, der unendliche Mengen von Methan freisetzt, das wiederum um Potenzen schädlicher als “schlichtes” Kohlendioxid ist.
Während unsere Nachbarn in den Niederlanden gegen diese Gefahren (teure) Spitzentechnologien zum Küstenschutz entwickeln (mussten), schaffen das andere Weltregionen nicht. Bangladesh wurde in den 70er Jahre in seinem Unabhängigkeitskampf zu einem global wahrgenommenen Fanal, u.a. dank des zu früh verstorbenen George Harrison, der seinerzeit das erste fette Polit-Benefiz-Konzert der Popgeschichte zusammentrommelte. Danach wurde das Land von der hiesigen Öffentlichkeit weitgehend vergessen. Trotz schwerwiegender Demokratiedefiziste wurden dort bedeutende Fortschritte erzielt: die Lebenserwartung stieg, die Kindersterblichkeit sank. Und “unsere” Textilversorgung wurde gesichert. Der Klimawandel und die immer schwierigere Süsswasserversorgung setzt all das wieder aufs Spiel. Die hochzulobende Wissenschaftsredaktion des DLF hob gestern dieses Feature von Mathias Tertilt ins Programm.
Allein, was dort zu erfahren ist, ist Grund genug, die nächsten Freitage demonstrieren zu gehen, statt sich in schlecht gelüfteten Klassenräumen ein Coronavirus zu holen.