weiter unten: Patentrennen um Covid19-Impfstoff
Jetzt haben sie das, auf was ich hier verlinken wollte, in die Paywall eingemauert. Marcus Theurer/FAS berichtet über die Hintergründe der wenig beachteten, sachlich aber spektakulären Wende, die die Bundeskanzlerin kürzlich nach ihrem gross aufbereiteten Gespräch mit den Damen Thunberg und Neubauer hingelegt hatte. Das Mercosur-Abkommen, u.a. mit dem Faschisten und Regenwaldabbrenner Jair Bolsonaro, sei “kaum noch zu retten”.
Clemens Tönnies, der Multimlliardär, der es sowieso gerade nicht leicht hat, ist nicht amüsiert. Schliesslich führt er nichts weniger als die Eroberung der Weltherrschaft über den globalen Fleischmarkt (und zwar jetzt nicht den von Laurie Penny) im Schilde. Damals, bei seinem Einmarsch in Paderborn, vor seiner berüchtigt-berühmt gewordenen Rassismus-Proklamation, war schon ein Milchgesicht erkennbar, das so harmlos aussieht, aber doch effiziente Hardcore-Lobbyarbeit im Berlin verrichtet: Carsten Linnemann. Der wird von Theurer nach der Merkel-Wende so zitiert: „Es wäre naiv zu glauben, dass wir die Abholzung des Regenwalds stoppen können, wenn wir das Abkommen nicht ratifizieren.” Wenn Europa jetzt zögere, würden sich die Südamerikaner verstärkt China zuwenden. „Dem Klima wäre damit nicht geholfen, eher im Gegenteil, … Wir sollten das Abkommen nicht in Frage stellen. … Exportland Deutschland gefährdet.“
Dä. Muss der Linnemann das jetzt als Flankenschutz öffentlich so sagen? Merkel, schlau wie sie ist, hat ihre Wende öffentlich so aussehen lassen, als hätten sie Thunberg und Neubauer auf diese gute Idee gebracht, um so ein paar ernsthaft-christliche Wähler*innen vom Abwandern zu den Grünen abzuhalten. Laut Theurer steckte in Wahrheit ihre strategische Abstimmung mit Emmanuel Macron, ihrem unentbehrlichen Partner bei der Beherrschung der EU, dahinter. Macron muss dagegen sein, weil seine Agrarlobby zuhause weit mächtiger ist als die deutsche, die Merkel nur noch geringfügig kratzen dürfte – da arbeitet ja kaum noch eine*r (halb so viele wie in Frankreich).

Ohne Paywall: Der politökonomische Stand des Impfstoffrennens

Mein publizistischer Lorbeer-Kranz geht heute an Monika Ermert/heise-online. Online frei zugänglich ist ihre gründliche Geschichte zum politischen Wettlauf um die Covid-19-Impfstoff-Forschung. Sie geht unter die Oberfläche der Tagesnachrichten, die meist nur ein Reflex auf PR-Mitteilungen aus Big-Pharma-Konzernen und mit ihnen verbundenen Regierungen sind, und legt die politökonomischen Hintergründe und Widersprüche offen. Das ist mittlerweile leider selten. Darum: Danke!

PS

Wenn Sie sich auch so über die FAZ-Paywall ärgern wie ich, melden Sie sich privat bei mir. Ich kenne welche, die helfen können.