Knut Mellenthin, fleissiger Autor der Jungen Welt, es überrascht mich nicht, was über seine politische Jugend herauszufinden ist. Ein prägender Funktionär des “Kommunistischen Bundes” (“KB-Nord”) ist auch er gewesen. Eine Organisation, die noch weit übersichtlicher war, als meine Jungdemokraten, sich aber entschieden häufiger in Fraktionen und Zellen gespalten hat. Respektvoll beobachte ich, wohin die daraus hervorgegangenen Individuen aus der Sekte in die politische Welt hinausgezogen, und wo sie gelandet sind. Mellenthin also u.a. bei der Jungen Welt.
Was er dort schreibt, ist gerne polemisch und gut lesbar, aber immer mit analytischem Hintergrund. Nicht einfach so dahergerotzt, sondern durchdacht. Darum meine heutige Empfehlung:
– seine Buchbesprechung zum heissblütigen Krieger John Bolton
– seine Polemik zur Vorkriegspropaganda aller relevanten Weltmächte (beide Links verschwinden in einigen Tagen in einem Paywall-Archiv).
Bei Letzterem verzichtet er nicht auf Schärfe, aber wohltuend auf Panikmache. Eingriffe vernünftiger politischer Kräfte bleiben möglich. Doch wo formieren sie sich? Darauf weiss auch Mellenthin keine Antwort.
Aus einer anderen Richtung kommt Peter Brandt, der Sohn von Willy und Bruder des erfolgreichen Schauspielers Matthias. Über ihn habe ich in den 80ern einen Hausarbeitsverriss geschrieben: “Die nationale Frage in der Diskussion der Linken”. Die wurde, ganz im Geiste seines Vaters, ein Aspekt, den viele seiner SPD-Verehrer*innen gerne leugneten, vor allem von Peter Brandt angeheizt, allerdings ohne dass ihm in der damaligen westdeutschen BRD relevanter Zuspruch zuteil wurde. In seinem Beitrag “Russland verstehen” für den Freitag sehe ich einen gereiften Brandt Peter. Sein Schlussfazit zitiere ich mit meiner vollen Zustimmung: “Am Anfang stand also die Bereitschaft, bestehende Konflikte mit den Augen des Kontrahenten und künftigen Partners wahrzunehmen – nicht um seine Perspektive einfach zu übernehmen, sondern um zu verstehen, warum er denkt, wie er denkt, und handelt, wie er handelt. Genau dies fehlt der deutschen Außenpolitik heute.”
Wo ist der Maas?