…. erfasst auch Erdogan / Wände stürzen ein / Wer stoppt die Krisengewinner?
Menschen mit einer gewissen Allgemeinbildung und einer Lebenserfahrung von 3-5 Jahren ist bekannt, welche Folgen für ihr Alltagsverhalten der Wechsel der Jahreszeiten und des damit verbundenen Wetters hat. In Mitteleuropa z.B. hat das seit einigen Jahrhunderten dazu geführt, dass die Menschen sich im Sommer gerne draussen und im Winter gerne drinnen, in geschlossenen Räumen, aufhalten. Ersteres führt, ausser bei sich Liebenden und Flirtenden, zu mehr Platz und Raum für jede*n, letzteres zu mehr Enge und Suche nach Wärme. Doch den Politiker*inne*n hat wieder keine*r was gesagt. Woher sollen sie es auch wissen. Fast ihren kompletten Alltag halten sie sich in künstlich klimatisierten Räumen oder Verkehsmitteln auf, manche merken noch nicht einmal, wann es draussen hell und wann es dunkel ist. Wie sollen sie also ahnen oder gar Vorsorge treffen, dass Viruserkrankungen sich im Winter weit “besser” verbreiten, als im Sommer?
Sämtliche Satireprogramme werden jetzt, nach Einsetzen der Zahlenpanik, von den sog. Christdemokraten getoppt. Das “Christ” in ihrer Selbstbezeichnung haben sie in ihrer Flüchtlings-, Wirtschafts-, Sozial- und Rüstungspolitik schon vor vielen Jahrzehnten auf den Müllhaufen alter Erinnerungen geworfen. Doch an “Weihnachten”, das Hochamt (west-!)deutscher Konsum- und Wirtschaftsherrlichkeit trauen sie sich nicht, weil sie fürchten, dass sie ihren allerletzten Wähler*inne*n, auch wenn die nur noch eine kleine radikale Minderheit in der Gesellschaft sind, das Letzte nehmen, auf das die sich in diesen Pandemiemonaten noch freuen können. Lockdowns vorher und nachher werden spektakulär rauf und runter diskutiert – doch zwischen dem 24. und 26.12. soll das Virus noch einmal quer durch die Generationen gemixt werden – wo die sich doch sonst nie treffen (wollen). Würde das auch noch niedergerissen, das ahnt die deutsche “Christ”demokratie, dann ist von ihr nach all den verhassten, aber erfolgreichen, Merkeljahren (Audio 7 min) wirklich nichts mehr übrig.
Pandemiepanik Türkei
Vergleichen wir es mal mit ihrem allahgläubigen Flüchtlingspolitik-Bruder Recep T. Erdogan. Rainer Hermann/FAZ, einer der klugen Redakteure dieses Mediums, berichtet von der Pandemie-Lage in der Türkei. Hinter Paywall, darum berichte ich hier die Fakten. Bis Ende November hat die Türkei einen anderen Zahlenfetisch gepflegt. Sie hat die asymptomatischen Infizierten einfach nicht mitgezählt. Ab Dezember tut sie es doch, und liegt in der Welttabelle der Johns-Hopkins-Universität plötzlich auf Platz 4 hinter den USA, Brasilien und Indien, täglich über 30.000 neue Fälle bei ähnlicher Bevölkerungszahl wie Deutschland. Das politische Motiv zu vorherigen Abweichung von der WHO-Zählweise war die Rettung der Tourismus-Saison, missraten wie das meiste an Erdogans Politik: -75%! Praktischerweise ist der katastrophal versagende Gesundheitsminister Fahrettin Koca gleichzeitig Besitzer der grössten privaten Krankenhauskette in der Türkei. So kann es erst gar nicht zu Streit und Kompetenzgerangel kommen und alles unter Kontrolle behalten werden. Dachten wohl Erdogan und Koca, scheiterte ebenso: die türkische Ärztekammer ist auf Oppositionskurs.
Impfstoff, berichtet Hermann/FAZ, habe sich die Türkei in China bei Sinovac gesichert, und wundert sich: “Gerätselt wird in der Türkei, weshalb die Regierung einen Liefervertrag für einen Impfstoff abgeschlossen hat, der nicht alle klinischen Studien, die für die Zulassung in der EU oder den Vereinigten Staaten erforderlich sind, durchlaufen hat, nicht jedoch mit Biontech, wo doch dessen Gründer, Ugur Sahin und Özlem Türeci, in der Türkei wie Helden gefeiert werden.” Dabei ist die Antwort einfach: it’s the economy, stupid! Pro Person soll der Biontech-Stoff knapp 40 $ kosten; und auf -70 Grad gekühlt werden müssen. Von schöneren geostrategischen Vorteilen gegenüber diesem real existierenden Kapitalismus kann China kaum träumen.
Umfallende Wände – bald bundesweit!
Bedauernswert sind die jungen Leute, die in Hessen gegen die Abholzung eines ökologisch wertvollen Mischwaldes für den Neubau einer Autobahn demonstrieren. Wir in NRW wissen: wenn wir die Autobahnbauer einfach bauen lassen, dann erledigt sich das Problem irgendwann von selbst, ganz wie die Bauklötzchen im Streit der Kinder im Kindergarten. Und auch das ist von Satireprogrammen nicht zu übertreffen, sondern kann nur noch schlicht mit einer Schaubildnummer sachlich berichtet werden (Video 50 min; die fraglichen Nummern kommen gleich zu Beginn): was Strassen.NRW unserem schönen Autobahnbundesland geschenkt hat, das gibt es dank dem genialen Bundesverkehrsminister Andy Scheuer und seiner hochbegabten Amtskollegen in den Bundesländern bald bundesweit. Wir denken, das kann mann doch gar nicht ausdenken. Doch, doch, die Jungs konnten das.
Womit mag soviel überschüssige Intelligenz vergleichbar sein? Vielleicht mit dem äusserst preisgünstigen Sperrwerk MO.S.E. in Venedig, hat nur 6 Mrd. gekostet. Und dann hat einer vergessen, es einzuschalten. Schade eigentlich.
Krisengewinnler – wer fängt sie ein?
Andreas von Westphalen/telepolis thematisiert diese Frage. Er beleuchtet vor allem die Gewinner und Verlierer bei den Einkommen. Richtig. Doch es gibt gesellschaft-disruptierende Tiefenströmungen, die noch viel weiter gehen. In denen sind allenfalls gewerkschaftliche Abwehrkämpfe zu erkennen, aber keinerlei strategisches politisches Handeln, oder gar Gestalten. Ich meine den Datenkapitalismus, den wilden Westen des Grosskapitals von heute, der, so nebenbei, arbeitende Menschen in Massen wieder proletarisiert.
Einerseits muss der stationäre Einzelhandel pandemiebedingt eingeschränkt werden, andererseits stellt sich niemand dieser Umverteilung zugunsten von Amazon und des jetzt schon reichsten und mächtigsten Mannes der Welt in den Weg. Hat der womöglich die Dämonisierung von Bill Gates ingang gesetzt, um von sich selbst abzulenken? Ich will ihm gar nichts, teuerste Scheidung der Welt usw. Dass er mit seinem Geschäftsmodell aber ungehindert die europäische Stadt zerstört – hat das in Berlin und Brüssel noch niemand bemerkt?
Vorschläge zu handeln gibt es. Doch das Handeln dauert, dauert, dauert – wer mag das bezahlen?