Arte verwöhnte uns Quarantänler*innen in der abgelaufenen Woche mit zwei Dokumentationen über zwei aussergewöhnliche Künstler: die Herren Alain Delon und Eric Clapton. Von den Produkten ihrer Kunst habe ich als etwas jüngerer Zeitgenosse viele genossen. Für ihr wahres Leben dagegen hatte ich mich kaum interessiert. Von Starkulten habe ich mich immer ferngehalten, ebenso von sog. Informationen in der Yellowpress.
So habe ich durch diese Dokus dazugelernt. Autor*inn*en der Delon-Doku waren Karl Zéro und Daisy D’Errata, unschwer zu erkennen als Pseudonyme: es handelt sich um das Ehepaar Marc und Anne-Laure Tellenne, die ihren Wikipedia-Einträgen zufolge ähnlich Delon in ihrer Profession für eine stark borderlineverdächtige Praxis stehen. An ihrem Werk ist informativ, aufgrund welcher Jugend-Traumatisierungen (Vietnamkrieg als 17-jähriger) Alain Delon in seinem Zivilleben in organisierte Kriminalität und als reifer Mann in rechte politische Wirrköpfigkeit abdrehte. Gleichzeitig bleibt das Autor*inn*enehepaar offensichtlich fasziniert von Delons öffentlichem Leben als Sexsymbol, das als gebrochener, alter, weisser Mann zu enden scheint, sich zum Schluss an seine junge, bildschöne Tochter klammernd. Wer Delon heute noch verehren will, muss in Mitleid zerfliessen.
Eine günstigere Lebensdramaturgie zeigt die Clapton-Doku von Lili Fini Zanuck. Auch Mrs. Zanucks Realleben gäbe Stoff für einen eigenen Film, ihr Wikipedia-Eintrag gleicht einem Yellowpress-Märchen. Die (beabsichtigte?) Botschaft des Films: Clapton war ziemlich genau auf dem kommerziellen Höhepunkt seiner Musikerkarriere faktisch so gut wie tot, vielfach drogenabhängig. In diese Zeit fiel es auch, dass er sein rassistisches Ich raushängen liess, von dem er später beteuerte, dass er das gar nicht gewesen sei – einige seiner schwarzen Musiker-Freunde bestätigten das. Wenige Schlüsselerlebnisse retteten ihm äusserst knapp das Leben.
Was lehrt mich das? Berühmtsein ist das Problem, nicht die Lösung. Im Notfall lässt Dich das Business in den Keller fallen und versauern. Selbst aus Deiner Tragik machen sie noch Geschäftsmodelle, quetschen Dich aus wie eine Zitrone, und entsorgen Dich wie die Zitronenschale. Die Wenigsten schaffen es unter solchen Bedingungen persönlich stabil zu bleiben. Das sind dann die wahren Künstler*innen.