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Drecksäcke und Denker

Bild & FAS
Hier Verbalinjurien über Bild und Springer auszukippen ist müssig. Die Betreffenden juckt es nicht im geringsten, wenn sie ein kleiner Blog anpisst. Und wenn sich die Konkurrenz über sie erregt, freut sie das. Es erhöht die öffentliche Aufmerksamkeit, und weist die eigene Macht über das Agendasetting nach. Genau das ist das Problem.
Tanjev Schultz, Ex-Redakteur der SZ und heute Professor in Mainz, gelingt im interview mit FR-Chefredakteurin Bascha Mika eine trocken-sachliche “Würdigung” des Springer-Journalismus. An einer Stelle würde ich ihm widersprechen. Schultz sagt:
“Deshalb tue ich mich schwer, über alle Journalisten und Journalistinnen, die dort arbeiten, den Stab zu brechen. Aber sie haben sich bei einem Kampagnen-Blatt verdingt, das sich permanent Rügen des Presserats wegen unethischer Berichterstattung einhandelt…”
Das ist eine Verniedlichung. Wer sich dort verdingt, weiss, was sie*er tut. Es sind keineswegs nur “Rügen des Presserats”, es ist partiell kriminell, was dort getrieben wird, unter dem Schutz lobbygetriebener deutscher Medienpolitik, bzw. ihrer Nichtexistenz. Die Mehrheit hiesiger was-mit-Medien-Leute zieht eine prekäre unterbezahlte Beschäftigung einem solchen besser bezahlten Arbeitsplatz vor. Zum Glück für die demokratische Öffentlichkeit. Und dass es woanders, also überall wo Rupert Murdoch im Spiel ist, noch schlimmer ist, ist keine Ausrede, sondern eine zusätzliche Begründung.
Das Problem, das ich sehe und habe, ist, dass vorgeblich seriöse Medien, insbesondere auch solche, die als öffentlich-rechtliche in unserem Besitz sind, sich Themensetzung und Diskurse vom kriminellen Teil ihrer Branche vorgeben lassen. Hier beginnt der Schmerz, den ich nicht zu ertragen bereit bin, und die Verantwortung derer, die ihren Job ausnehmend schlecht machen.
Einer, der es besser macht
Es ist wahrlich nicht leicht, bei der FAZ reflektierten und informierenden fortschrittlichen Journalismus zu betreiben – fragen Sie mal Stefan Nggemeier. Ich achte all die, denen das trotzdem gelingt, besonders. Günter Bannas war so ein Fall, oder Andreas Rossmann. Und Mark Siemons/FAS ist es noch. An chinesischen Philosophien durch seine frühere Korrespondententätigket geschult, setzt er sich in der Coronadebatte u.a. mit Giorgio Agamben und Markus Gabriel auseinander, sachlich im Ton, hart in der Sache. Ich kann ihm folgen. Danke.

Ein Kommentar

  1. andré dahlmeyer

    https://www.edition-luekk-noesens.de/drecksack/

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