Überall Gauweiler – und eine Meldung zu Wirecard aus Russland / “Folter IV”
CDU- und CSU-Politiker purzeln derzeit schneller als Dominosteine. Ich jedenfalls habe Probleme, den Überblick zu behalten, und lasse Sie hier daran teilhaben. Peter Gauweiler ist eigentlich fast immer dabei. Als Kreisverwaltungsreferent der CSU-regierten Stadt München – ja, das gab es mal – erlangte er weltweite Berühmtheit, weil er auf Basis des Bundesseuchengesetzes Aids-Kranke wegsperren wollte. Eine Kleinigkeit gegen sein heutiges Wirken.
Mir fiel der Kerl erneut als “Kollege” von Oskar Lafontaine wieder auf. Brüderlich teilten sie sich einen Kolumnen-Platz in der sogenannten Zeitung Bild. Gerüchteweise sind sie immer noch befreundet. Vielleicht mag mal jemand den Oskar dazu befragen.
Der Anwalt Gauweiler jedenfalls soll die Staatsanwaltschaft München – die Herren sind gewiss gut persönlich bekannt, sein Kanzleipartner (bis 1996) Sauter war 1990-93 als Landesjustizminister sogar deren Boss – auf die Schiene gestellt haben, die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht auf die Idee zu bringen, dass die kriminelle Vereinigung Wirecard, die seinerzeit von RA Gauweilers Kanzlei vertreten wurde, unrechtmässig von bösen Journalist*inn*en verfolgt und mit Vernichtung bedroht werde. Eine Falle für den schlauen Olaf, aufgestellt von dem noch schlaueren Peter? Das entnehme ich dem famosen Bericht von Michael Maier/Berliner Zeitung aus dem Wirecard-Untersuchungsausschuss. Wenn ich das Geld der Verlegereheleute Silke und Holger Friedrich hätte, würde ich meinen Mitautor Helmut Lorscheid auch dafür bezahlen, sich den ganzen Tag da reinzusetzen. Dafür reicht meine Rente leider nicht.
Ein Kanzleipartner von Gauweiler war bis 1996, wie oben schon erwähnt, der Herr Sauter (hier von Küppi gewürdigt; bleiben Sie 8 Minuten dran, dann erhalten Sie auch noch eine kostenlose Therapie von Fritz Eckenga), der wegen einer lumpigen Masken-Million von seiner Partei zum Rücktritt gezwungen wurde. Der arme Alfred muss sich total ungerecht behandelt fühlen, denn sein Kumpel Peter hat als MdB 11 Mio. nebenbei eingenommen. Haupteinzahler war der Baron Finck, mit dessen aus der Art geratenen Familienschaf Alexander ich hier in Beuel sogar persönlich bekannt bin, ein netter Kerl. Der olle Finck jedenfalls ist verdächtig, bei der Finanzierung der rechtsradikalen AfD mitzuwirken – ein kurzer Weg für Rassisten aller Parteien.
Hinweise besagen, dass solche Herren dort auch auf russische Gesinnungsgenossen treffen. Nicht alles daran ist böswillig. Denn die Sprecherin des russischen Aussenministeriums soll mit einem Tweet höchstpersönlich darauf aufmerksam gemacht haben, dass sie Karten im Spiel hat. Unüberhörbarer gehts nicht. Ist sie nur doof? Oder frech wie Dreck? Zuletzt verstärkten sich Eindrücke, dass es dem Putinregime mittlerweile egal ist, wie es um sein Ansehen in der EU-Öffentlichkeit bestellt ist. Dann kann es auch darauf hinweisen: hallo Freunde, wir haben noch reichlich Erpressungspotenzial, wenn ihr unbedingt wollt, zeigen wir es.
Eine politische Lösung ist das für nichts. Früher gab es ein Auswärtiges Amt, dass sich um die Bereinigung verzwickter Konfliktlagen kümmerte. Das ist lange her. Heute wollen alle mitspielen und beweisen, dass sie den Längsten haben. Politik geht anders.

Über den/die Autor*in: Martin Böttger

Martin Böttger ist seit 2014 Herausgeber des Beueler-Extradienst. Sein Lebenslauf findet sich hier...
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