Zwei Hinweise zum Zoff um “Lovemobil”
In die Überschrift hätte ich irgendwas mit “Sex”, “Prostitution”, Mord und Totschlag schreiben sollen, ich weiss. Aber auf Clickbaiting bin ich nicht angewiesen. Zu den Unmengen an Trash, die sich zum Streit um den Film “Lovemobil” unter der Spindoktorenanleitung der NDR-PR-Abteilung ausgebreitet haben, möchte ich auf zwei Rosinen hinweisen. “Hanna Lakorny”/Berliner Zeitung und eine Diskussion im NDR selbst. Spektakulärer ist Frau Lakorny.
Sie ist längere Zeit unter dem Namen “Simone Balthus” aufgetreten, und beherrscht die Medienklaviatur glänzend. Sie ist vermutlich die bekannteste publizierende aktive Prostituierte in Deutschland. Wenn sie aktive Prostituierte ist. Ihre Selbstinszenierung mixt Sex, Glamour und Selbstbestimmung. Ihre Schreibe ist erstklassig, und wird von allen Medien gerne genommen. Im politischen Streit um Prostitution erarbeitet sie sich eine Widerpartposition zu Alice Schwarzer und allen, die für den “skandinavischen” Verbotskurs eintreten. Zielsicher hat sie die publizistische Riesenmarktlücke zwischen Schwarz-Weiss-Malerei und Wirklichkeit erkannt, und besetzt sie nun auch im Streit um “Lovemobil”.
Ich weiss nicht wie authentisch und glaubwürdig Frau Lakorny als Person ist. Die Scharade gehört zum Kerngeschäft von Prostitution; die Scharade, die Frau Lakorny um sich selbst betreibt, verleiht (von geliehen!) ihr einerseits was Geheimnisvolles, was Medien immer gerne nehmen. Es ist ausserdem ein prophylaktischer Selbstschutz, um als Person nicht in so einer tiefen Grube zu landen, wie der NDR die frisch von der Hochschule entsprungene Regiedebütantin Frau Lehrenkrauss hat plumpsen lassen. Wenigstens ist sie jung genug, dass sie mit besserem Coaching und PR-Beratung da noch wieder rausfinden kann.
Kurz: was Frau Lakorny hier schreibt, überzeugt mich. Über Prostitution versteht sie gewiss mehr als ich. Was sie über den öffentlich-rechtlichen Sender NDR und die blinden Flecken der Prostitutions-Dokumentarfilme schreibt, kann ich aus meiner WDR-Erfahrung bestätigen.
Zapp-Sonderausgabe
Die andere Rosine war diese Woche eine kurzfristig ins TV-Programm gerückte Sonderausgabe des NDR-Magazins Zapp (Video 46 min). Sie war ein Indiz, dass es in den Fluren des Senders qualmt und raucht. Dennoch, und zum Glück, ging es überwiegend sachlich zu, was für ein gutes Casting der Gäste spricht. Dass NDR-Abteilungschefin Anja Reschke gelegentlich ausrastete, spricht dafür, dass die durch Etatkürzungen gefolterte Zapp-Redaktion immer noch inhaltliche Widerständigkeit behalten hat. Das ist ein besonderer Lorbeer, weil sie also den schwierigeren Weg wählt. Kompliment!