Woanders is auch scheisse. Das dachte ich, als ich diese Reportage des taz-Brüssel-Korrespondenten Eric Bonse las. Eric kenne ich noch aus der NRW-Jugendpresse, ein anständiger Kerl und glaubwürdiger kritischer Journalist. In der Pandemie meinen viele, in den asiatischen Demokratien Südkorea und Taiwan Vorbilder zu identifizieren, weil da vieles viel besser funktioniert habe. Taiwan ist eine Insel. Der feindliche grosse Bruder Volksrepublik China wird ihre Isolation gewiss erleichtern. Die scheinbar “objektiven” Zahlen machen dennoch baff.
Anderes lässt zweifeln. Das Land wurde innerhalb weniger Tage von zwei Infrastruktur-GAUs überfallen. Dieses Schiff ist zwar von Panama beflaggt, gehört aber einer taiwanesischen Reederei. Was es angerichtet hat, wäre von einem Fahrzeug dieser Kategorie nur noch durch Auseinanderbrechen und leckgeschlagene Treibstofftanks zu übertreffen. Das Ausflaggen auf Steueroasen müsste dringend unterbunden werden, das ist die Pandemie der Seeschifffahrt. Und natürlich ist auch an diesem GAU wieder ein deutscher Konzern mitbeteiligt.
Der andere GAU ist ein Zugunglück, wie es Deutschland zum Glück seit etlichen Jahren nicht mehr heimgesucht hat. Das gute Ansehen der taiwanesischen Eisenbahn war mir bis dahin durch die SWR-Eisenbahnromantik geprägt worden, eine grossartige Sendereihe übrigens. Doch irgendwas muss furchtbar schiefgelaufen sein.
Denkbar ist, eine Spekulation meinerseits, dass solche GAUs heute durch Hackerangriffe bewerkstelligt werden. Sowohl die VR China als auch Taiwan haben dazu hinreichend qualifiziertes Personal. Es geht dort um Grösseres als Europa. Wenn es noch einen letzten grossen Weltkrieg geben sollte, könnte er dort ausbrechen. Alle Grossmächte wollen mitmachen. Das Berlin der Nachkriegszeit ist das südchinesische Meer.