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Ausgescholzt?

Nun hat der Olaf nachgedacht. Worüber genau, das wissen wir nicht.

Offensichtlich musste die Außenministerin nachhelfen, damit das Nötige geschieht und Polen mit seinem Antrag auf Leopard-Lieferungen in Berlin eine Zustimmung erwarten darf.

Der Vorgang hat sich so oder so ähnlich schon zigmal wiederholt – nach Schema F:

1) Es ist früh klar, was an Waffenlieferungen nötig ist, damit die Ukraine sich verteidigen kann.

2) Das Kanzleramt bremst und schüttet Sand ins Getriebe.

3) Der Kanzler und seine Getreuen scholzen herum und bringen die fadenscheinigsten Vorwände – warum etwas nicht geht, viel mehr Zeit braucht, nur geht, wenn andere es zuerst machen etc. etc.

4) Dann knirscht es eine Weile. Und am Ende geschieht, was man schon längst hätte tun müssen.

Der Kanzler verwechselt Führung offensichtlich mit Entscheidungsverzögerung. Er „lenkt“ mit der Bremse: mal das linke Rad abbremsen, dann das rechte. So fährt man Schlangenlinien und kommt nur langsam voran. Oder gar nicht. Währenddessen bereitet Russland die nächste Offensive vor. Wie lange das noch gut geht?

Mehr zum Autor hier.

Über den/die Autor*in: Reinhard Olschanski (Gastautor)

Geboren 1960, Studium der Philosophie, Musik, Politik und Germanistik in Berlin, Frankfurt und Urbino (Italien). Promotion zum Dr. phil. bei Axel Honneth. Diverse Lehrtätigkeiten. Langjährige Tätigkeit als Wissenschaftlicher Mitarbeiter und Referent im Bundestag, im Landtag NRW und im Staatsministerium Baden-Württemberg. Zahlreiche Veröffentlichungen zu Politik, Philosophie, Musik und Kultur. Mehr über und von Reinhard Olschanski finden sie auf seiner Homepage.

6 Kommentare

  1. Martin Böttger

    Bist Du in Wirklichkeit der heimliche Intendant des DLF?
    https://www.deutschlandfunk.de/programm
    Dort höre ich von 5 – 9 h, von 12 – 13.30 h, von 18 – 18.40 und von 23 – 0 täglich exakt das, was Du, freundlicherweise in gekürzter Form, schreibst. Und in der Glotze auch. So what? Begeisterung für Chormusik?

    • Reinhard Olschanski

      Der Unterschied ist, dass ich manches, was dort kommt, schon ca. 48 Std. vorher sage – ruhig mal auf meinen Facebook-Account gucken. (-: Außerdem ist es für mich zum Haareraufen, wie dieser Kanzler agiert. Ich muss an so Leute wie Churchill, de Gaulle oder sogar Schmidt denken, mit denen ich in Abschnitten, in denen die demokratische Debatte wie üblich läuft, sehr über Kreuz liegen würde. Aber in Situationen, wo ein KGB-Fascho das Völkerrecht mit Füßen tritt und zehntausende unschuldige Menschen ermordet, würden sie wissen, was zu tun ist. Deswegen sind sie – zumindest die beiden erstgenannten – zu historischen Figuren geworden. Unser Olaf ist dazu das traurige Gegenprogramm. Leider.

      • Martin Böttger

        Im Krieg mordet immer nur eine Seite? Und die im Singular (“ein KGB-Fascho”)? Haben das nicht die Eltern ihren späteren “68ern” so weismachen wollen?

  2. Jürgen Graff

    Hey Martin, hast Du diesen Kommentar im frühmorgendlichen Dämmerzustand verfasst. Was soll die Äußerung „ Im Krieg mordet immer nur eine Seite?“ insinuieren? Betrachten wir rückblickend den verbrecherischen deutschen Angriffskrieg ab 39 : würdest Du der anderen Seite , den Belgiern, Russen, Amerikanern , Engländern … in ihrer Gegenwehr grundsätzlich Morden unterstellen? Nochmal, was willst Du mit o.a. Frage aussagen? Und nun zum Singular, der Plural ist angebrachter: Morden tun tagtäglich in diesem Überfallskrieg russische Soldaten auf Befehl ihrer mörderischen Führung !

    • Martin Böttger

      Krieg ist ein politischer und militärischer Rahmen, im dem die brutalsten A………r tun dürfen, tun “müssen”, was ihnen im zivilen Alltag verboten ist. Unabhängig von der politischen Beurteilung von Staatsführungen, die jedem Streit offenstehen muss (in einer Demokratie jedenfalls), hat Tucholsky recht.
      https://de.wikipedia.org/wiki/Soldaten_sind_M%C3%B6rder
      https://www.friedenskooperative.de/friedensforum/artikel/sind-soldaten-moerder
      Meine Eltern waren im 2. Weltkrieg 7-13 Jahre alt. Sie haben damals die Bombennächte nicht als “Gegenwehr” aufgefasst, wenngleich sie zügig verstanden hatten (in Essen und in Hamburg), dass ihre “eigene” Staatsführung verbrecherisch war.
      Wie mögen die Japaner*innen die Abwürfe der Atombomben empfunden haben? Als “Gegenwehr”?
      Im Krieg lösen sich “die Guten” schnell auf. Sie sind für ihn unbrauchbar.

  3. Roland Appel

    Lieber Reinhard, ich verstehe es nicht: Du bist Grüner, Du hast in der Staatskanzlei bei meinem Lieblingsminischterpräsidenten gearbeitet, kannst einfühlsame Texte schreiben, Dich in Menschen hereindenken… und verbreitest trotzdem so dünne und oberflächliche Thesen – die täglichen Probleme und die Komplexität des Regierungsgeschäfts kann doch nicht an Dir vorbeigegangen sein? Hast Du nicht mitbekommen, was an täglichem Stress schon eine Staatskanzlei eines Landes in Atem hält? Wie kannst Du ernsthaft ein Bild erzeugen, als ob sich im Kanzleramt nur Idioten herum”scholzen”. Wo bleibt eigentlich Deine Seriosität als Wissenschaftler und ehemaliger Regierungsmitarbeiter? Glaubst Du ernsthaft, dass Merz den Job besser machen würde? Wo verläuft die Grenze von konstruktiver, scharfer Kritik und Verantwortungslosigkeit? Und was ist die Alternative? Populismus?

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