„State-of-the-Union“ – Donald Trump im Rausch des Beifalls

Von , am Mittwoch, 31. Januar 2018

von Rainer Bohnet

„America First“. Frenetischer Beifall im US-Kongreß und ein Donald Trump, der vor Stolz fast platzt. Ein skurriles Szenario mit versteinerten Mienen von Frauen, Schwarzen und Hispanics. Trumps Rede zur Lage der Nation, die sogar in der Verfassung der USA ihren Niederschlag findet, ist schauspielerisch gut, inhaltlich und politisch zum Teil falsch, hinterhältig und widersprüchlich. Die 2,1 Millionen neuen Arbeitsplätze, die seit seinem Amtsantritt vor einem Jahr entstanden sind, gehen keineswegs zu 100 % auf sein Konto. Die Verlierer dieses Aufschwungs sind andere Staaten, u.a. auch Europa, und vor allem das Weltklima. Mehrfach bezeichnet Trump seine innenpolitische Bilanz als „historisch einmalig“.

Außenpolitisch kommen weder Europa, Deutschland, Frankreich, Russland oder China in seiner Ansprache vor. Stattdessen richtet er seinen Blick in Richtung Pazifik und gezielt nach Nordkorea. Vor allem herrscht bei Trump und seiner Administration eine geradezu manische antirussische Stimmung, so die WDR-Journalistin Ina Ruck, langjährige Korrespondentin in den USA und Russland, bei einer Veranstaltung im FORUM Volkshochschule in Köln. Im Fall von Nordkorea kann es gefährlich werden. Denn im Umfeld von Trump gibt es Planungen für eine militärische Aktion „blutige Nase“, also einen räumlich begrenzten Abschreckungsangriff.

Trumps Rede hat fast religiöse Züge, wenn er dem Kongreß „heilige Rechte“ zuspricht. Und wenn man weiß, dass sein Redenschreiber Steve Miller ein Rassist ist, empfindet man seinen Auftritt als eine testosterongesteuerte Inszenierung, die hoffentlich bald ihr Ende finden wird.

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