Die Aufregung über den bevorstehenden europäischen Fußball-“Nationencup” der Uefa ist noch gar nicht richtig ausgebrochen, ausser in unseren TV-Anstalten, die in ihrer Panik schon unsere Millionen aus den Fenstern geworfen haben. Da hat die Fifa zu einem Revanchefoul gegen die Uefa angesetzt, dass der mit dem guten Weitblick-Instrumentenkasten eines alten konservativen Politikers ausgestattete DFB-Chef Grindel als erster “Alarm” gerufen hat. Die Fifa will in den bisherigen “Confed”-Cup-Jahren eine “Klub-WM” ansetzen, ein direkter Angriff auf die sportlich langweilige aber beständig Geld scheissende Uefa-Champions-League.

Im Kern geht es strategisch darum, wer welche renditeträchtigen Marktplätze am schnellsten und wirkungsvollsten besetzt, bevor es jemand anders tut. Die Fifa analysiert richtig, dass die Vereinsmarken in der globalen Fußballwelt längst mehr Identifikation erzeugen, als die Nationalmannschaften. Da sie mehr zusammen trainieren und spielen, zeigen sie auch den besseren Fußball. Und, siehe Champions-League, sie mobilisieren entschieden mehr Kapital. Das kommt im Fußball mittlerweile in grösserem Masse aus Asien, als aus Europa. Von den in dieser Sportart abgemeldeten USA, die umso mehr in Sachen Fußballkorruption strafrechtlich ermitteln, ganz zu schweigen.
Wir dürfen davon ausgehen, hier geht es nicht um Fußball, sondern um Geopolitik. Niemand weiss das besser als Herr Grindel.

Dummerweise für Grindel, Uefa, und die Vereine hatte die Fifa hier aber eine gute Idee, um im fussballerisch alle zwei Jahre (wenn keine WM und keine EM ist) ruhigen Juni sowas zu platzieren. Die diversen Medieninvestoren wird es freuen. 24 Vereine aus allen Kontinenten, die vermutlich zunächst eine langweiligere Gruppenphase – mein Tipp: 8 3er-Gruppen, aus denen nur der Letzte ausscheidet, dann KO-System – dann aber einen wirklich spannenden Wettbewerb kreieren könnte. Dumm für die kriminellen Vereinsbosse, und noch dümmer für die korrupte Uefa: sie müssten das viele schöne Geld mit den Fifa-Verbrechern teilen.

Das Gejammere über den ausfallenden Urlaub der jungen Fußballmillionäre können wir getrost ignorieren. Das ist reine Kulissenschieberei der Streithähne. Wenn sie das Geld alles selbst einstecken dürfen, hat sie die Gesundheit von Spielern noch nie interessiert.

Auch wenns hier keiner mitkriegt: in anderen Kontinenten wird mitunter interessanterer Fußball gespielt als hier. Während hier, sollte der BVB morgen verlieren, die Bundesliga bereits “erledigt” ist und die europäische Champions League die gleiche Langeweile mit den gleichen Endrundenteilnehmern wie immer hervorbringt, gibt es in der lateinamerikanischen Copa Libertadores, mit ihrem ähnlich absurden Regelwerk, aber doch wieder eine sportliche Überraschung aus Argentinien, wie Andre Dahlmeyer in der Jungen Welt berichtet. Warum nur er, was machen unsere Fußballjournalist*inn*en hier denn den ganzen Tag?

Update 4.11.: Als hätte sie hier mitgelesen, erklärte die Uefa jetzt, sie wolle ihren “Nationen-Cup” (s.o.) für andere Kontinente öffnen. Im Kern ein Revanchefoul nach dem Revanchefoul der Fifa. Europa wird auch im Fußball nicht mehr der Nabel der Welt sein. Was die Streithähne betrifft, wäre das Beste, beide, Uefa und Fifa (und gleich auch noch das IOC) als kriminelle Vereinigung zu verbieten. Sportdachverbände sind Entertainmentkonzernen gleichzusetzen. Für alle müsste gelten: Monopole sind illegal und werden zerschlagen. Hallo FDP (oder andere Marktwirtschafts-Ideologen), jemand zuhause?

Über den/die Autor*in: Martin Böttger

Martin Böttger ist seit 2014 Herausgeber des Beueler-Extradienst. Sein Lebenslauf findet sich hier...
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