Dass es Beuel als Stadtteil so gut geht, hat viel damit zu tun, dass es überhaupt eine Gewerbegemeinschaft hat. Ohne es überhaupt darauf anzulegen, ist sie in den letzten Jahrzehnten ein Zentrum strategischer Meinungsbildung im Stadtteil gewesen, an dem im kommunalpolitischen Raum niemand vorbei kam. Was dabei heraus kam, um es mit rheinischem Understatement zu loben, “wor nit alles schlääsch”.

Bis 2010 wurde die Beueler Gewerbegemeinschaft von Jürgen Harder geführt, seitdem von Paul Ahrens. Der legte nun sein Amt nieder, weil sein Betrieb nach St. Augustin auswandert. So verschieden die beiden Typen sind, so hatten sie doch nicht nur langjährige Grünen-Mitgliedschaft (Harder trat dann wg. dem “Rauchverbot” aus) sondern auch strategische Klugheit gemeinsam.

Denn es ist ein kommunikatives Kunstwerk, so eine vielköpfige Vereinigung von Geschäftsleuten, manche Angestellte, die meistern aber Inhaber*innen, in einem Verein zusammen zu bringen. Ein noch grösseres Kunstwerk ist es, in dieser organisatorischen Hülle sogar gemeinsamen politischen Willen zu entwickeln. Eigeninteresse von Beueler Geschäftsleuten ist es, einerseits die Vielfalt des Angebotes zu erweitern, auch für Publikumsmagneten den Roten Teppich auszurollen, aber nicht für solche, die bestehendes Gewerbe kaputtkonkurrieren oder von peripheren Lagen aus das Beueler Zentrum leer saugen würden. Nicht wenige (aber auch nicht alle) haben sogar schon verstanden, dass ein Autoparkplatz vor der Ladentür dafür keine notwendige Bedingung ist. Unter dem Strich darf Ahrens, ebenso wie zuvor Harder, bilanzieren: bis hierhin ist es gut geworden.

Harder war mitunter ein impulsiver Macher und Anpacker, Eigenschaften, die er jetzt, neben seinem Unternehmen, beim Bonner SC auslebt. Sein Grünen-Austritt mit der Begründung “Rauchverbot” war inhaltlich Quatsch. Gerade das Gastronomiegeschäft verkündet seit dem Rauchverbot nur überdurchschnittliches Wachstum. Wer darunter leidet, mit dessen Geschäftsmodell ist was anderes faul. Bei Harder ist es das nach meinem Eindruck nicht. Was er nicht sagte, aber sicherlich bei ihm wie bei Ahrens der Fall war und ist: die mangelhafte Wertschätzung durch ihre Grünen Parteifreunde. Dort begriffen und begreifen die Wenigsten – positive Ausnahmen Ex-Fraktionschef Uckermann, der Beueler OV-Chef Christoph Winter und der verstorbene Ex-Bezirksbürgermeister Rambow – wie strategisch wichtig meinungsbildende Machertypen in so wichtigen bürgerschaftlichen Zusammenschlüssen sind. Die meisten Stadtteile haben sowas überhaupt nicht, allenfalls demografisch aussterbende selbsternannte “Ortsausschüsse” oder “Bürgervereine” – dagegen ist die Beueler Gewerbegemeinschaft ein ganz anderes Kaliber von mitten im Leben, und nicht selten im Existenzkampf, stehenden jungen und alten, grossen und kleinen Unternehmer*inne*n.

Über Ahrens Amtsführung höre ich auch Kritik, gespreizte, mitunter wichtigtuerische Amtsführung, sagen Einzelne. Kann sein, ich fürchte nur, dass das in der Bonner Kommunalpolitik unvermeidlich ist und zu ihrer Alltagskultur gehört. Die seltenen Gelegenheiten, Sitzungen und Versammlungen, bei denen ich ihm begegnet bin, machten auf mich den Eindruck eines Nachdenklichen, der nicht schneller spricht als er denkt. Das ist selten, das mag ich. Also danke für den Job, den Du gemacht hast!