Zum Eröffnungstag von #aufstehen gab es gestern ein informatives Feature des DLF und heute, wie bei ihm üblich, nachdenkliche Reflexionen von Stefan Reinecke/taz. Tatsächlich, das sehe ich wie Reinecke, gibt es ja ein gesellschaftliches Bedürfnis nach dem, was #aufstehen (leider nur) vorgibt zu sein, und was Anfang 2017 auch im kurzlebigen Schulz-Zug sichtbar geworden war; heute siehe z.B. “Seebrücke”. Auf der Homepage von #aufstehen konnte ich heute vormittag ausser zeitraubenden Livestreams von der Berliner Pressekonerenz noch keine wirklich relevanten Informationen über die Organisation entdecken. Man klagt über Serverprobleme; die Seite scheint mir aber auch von selbstverliebten Software-Ingenieuren gestaltet. Es wäre schön, wenn die sich mal mit politischen Inhaltsproduzent*inn*en zusammensetzen würden.
Die Medien berichten heute alle eine Umfrage des AfD-nahen Insa-Instituts, derzufolge die AfD die SPD überholt habe. Nicht minder spektakulär, aber weniger berichtet, ist die Berlin-Umfrage des dem rechten SPD-Flügel nahestehenden Forsa-Instituts: Linke 21, CDU 19, Grüne 18, SPD 17, AfD 12, FDP 6. Berlin ist demoskopisch ein Labor, in dem der Faktor urbaner Ballungsraum mit einer geringen Dosis “Ost” gemixt wird.
Die Welt da draussen dreht sich trotzdem weiter, bei den hier zu erwähnenden Beispielen: leider.
In Tripolis, der ehemaligen Hauptstadt einer Region, die früher unter der Bezeichnung Libyen ein Staat war, sind erneut Kriegshandlungen ausgebrochen, bzw. besser: initiiert worden. Mirco Keilberth/taz und Martin Gehlen/FR berichten. Wer von uns würde nicht schnellstens versuchen, von dort abzuhauen?
Ebenso Syrien. Hier steht der Sturm auf die letzte Islamistenbastion Idlib bevor. 3 Mio. Menschen sind von Bombardierungen und Beschuss bedroht, könnten (und sollten!) versuchen, gesund in die Türkei zu kommen. Die will sie aber nicht reinlassen, hat vergeblich versucht, die Terroristen zur freiwilligen Aufgabe zu bewegen. Jetzt beraten Russland, Iran und die Türkei in Teheran. Alle andern Akteure scheinen abgemeldet. Berichte von Jürgen Gottschlich/taz und Martin Gehlen/FR.