Beeindruckende Fachkompetenz haben die Grünen gestern in Bad Godesberg aufgefahren. Sie reichte aus, den “Parksaal 2” der Stadthalle zu füllen. Es blieb sehr sachlich; statt heiss zu streiten zogen es alle vor, ihr Wissen auszutauschen. Daran beteiligten sich aus dem Publikum auch Vebowag-Vorstandschef Michael Kleine-Hartlage, Mietervereins- und SPD-Veteran Felix von Grünberg und Mitglieder der Amaryllis-Genossenschaft in Vilich. Eine Lösung haben sie leider alle nicht gefunden.
Einige pragmatische Ergebnisse: es fehlt an Bauland, vor allem in Bonn. Bonn und der Rhein-Sieg-Kreis müssen sich, ähnlich wie bei ihrer schon praktizierten Gewerbeflächenkooperation, an einen Masterplan Wohnen setzen. Die Verwaltungsprozesse müssen beschleunigt werden; dafür wird ein handelndes Zentrum benötigt, das die diversen zuständigen Ämter koordiniert. Statt Bieterwettbewerbe für Grundstücke zu veranstalten, sind Konzeptausschreibungen sinnvoll, die z.B. Genossenschaften oder konzeptionell durchdachte Baugruppen bevorzugen können – es darf nicht ums meiste Geld gehen, sondern um die besten Konzepte, Vorschriften für Autostellplätze sind veraltet und sorgen für unnötige Verteuerungen. Das Überbauen von Kindergärten, Garagenhöfen oder auch Supermärkten (Aldi/Lidl) kann sinnvoll sein, wenn es bautechnisch, infrastrukturell und in die soziale Umgebung passt.
Es wäre wohl als Wolkenschieberei aufgefasst worden, hätte jemand grundlegende eher bundespolitisch zu behandelnde Probleme angesprochen. Obwohl doch alles darauf hindeutet, dass die Grünen auch denen nicht mehr lange ausweichen können: das betrifft vor allem die Eigentumsfrage und die Besteuerung des Eigentums.
Aus den USA wird der neueste heisse Scheiss des Immobilien-Grosskapitals berichtet. Es ist eine Wohnform, die ich von 1977-1999 selbst genossen habe: die Wohngemeinschaft. Mein erstes WG-Zimmer unterm Dach kostete 120 Mark/Monat. Da haben sie in Los Angeles oder San Francisco ganz andere Vorstellungen: lesen Sie mal hier. Ich glaube nicht, dass es 5 Jahre dauert, bis das hier ist.
Die heftigste nächste Auseinandersetzung hier bei uns ist die um die Grundsteuer. Dazu habe sich unter dem Motto “Die Marktwirtschaft reparieren” die Autoren Andreas Siemoneit, Jonathan Barth und Oliver Richters Gedanken gemacht und für die Blätter aufgeschrieben.