Der Mensch ist dazu verdammt, sich die Welt selbst zu erklären. Das unterscheidet ihn von allen anderen Lebewesen. Und exakt das ist sein größtes Problem. Denn die Erkenntnisfindung schwankt zwischen Freiheit und Individualismus sowie totaler Verunsicherung und Entankerung. Letzteres führt aktuell zur Krise der freien Welt. Es scheint ein Teufelskreis zu sein. Die Freiheit des Denkens erfordert demokratische Staatsformen und der Zweck des Menschens darf niemals zum reinen Mittel generieren. Das hat bereits Immanuel Kant erkannt.

In der heutigen Welt ist der Mensch allerdings primär Mittel zum Zweck, vor allem in der Arbeitswelt. Es wird behauptet, die Wirtschaft sei ohne diese Umkehrung des Freiheitsbegriffs von Kant nicht wettbewerbsfähig. Dabei wird ausgeblendet, dass Immanuel Kant die freiheitliche Selbstbestimmung des Daseins als universelles Menschenrecht definiert hat. Seine Definition ist heute die Grundlage für die
Menschenrechtscharta der Vereinten Nationen.

Die zunehmende Verunsicherung und Entankerung der Menschen machen sich radikale und populistische Regime und Parteien schamlos zunutze. Subtil wird die Freiheit negiert und die schlichte Vereinfachung komplexer Zusammenhänge gefährdet nicht nur die freitheitliche Selbstbestimmung, sondern insbesondere die Demokratie als Staats- und Gesellschaftsform, die ohne Kants philosophische Maxime nicht lebensfähig ist.