Fahrräder – es wird zuviel

Von , am Mittwoch, 13. Februar 2019, in Beuel & Umland, Politik.

Demnächst wird mir die Buslinie 550 weggenommen. Mit der erreiche ich von meiner Haustür aus meinen Hausarzt in Porz-Wahn. Wenn ich zur frühmorgendlichen Sprechstunde (ab 7 Uhr geöffnet, Herr Spahn!) losfahre, sehe ich gegenüber auf der Niederkasseler Strasse den täglichen Stau, Licht an Licht. Mein Bus hat eine eigene Spur, fährt zügig (!) daran vorbei, um diese Zeit antizyklisch.
So was ähnliches ist mir auf dem Fahrrad jetzt auch passiert. Ich musste frühabends, ca. 18 Uhr über die Kennedybrücke auf die falsche Rheinseite. Dank des dringend seligzusprechenden Karl Uckermann, der aus der Opposition heraus der damaligen CDU/SPD-Ratsmehrheit diese Brücke aufgeschwatzt hat, dürfen Fahrräder auf beiden Brückenseiten in beide Richtungen fahren. Ich fahre absichtlich immer gegen den benachbarten motorisierten Verkehr, weil ich dadurch weniger Gifte aus einem ähnlich langsamen Zweitakter neben mir einatmen muss, sondern sie immer an mir vorbeifahren. Ich fuhr also auf der Südseite Richtung City, und erlebte auf der Südseite das Gleiche wie auf der Niederkasseler Strasse: einen Fahrräder-Stau. Gut, so neu ist das nicht.

Sonntags ist das Rheinufer – schon lange – nicht mehr befahrbar

Seit einigen Jahren vermeide ich es, an Sonntagen noch auf Rheinuferwegen zu fahren – schon lange alles voll. Im werktäglichen Fahrradstau erlebte ich nun das Gleiche wie im Autostau: wütend-ungeduldige suizidal veranlagte Überholer auf der Gegenfahrbahn, gerne gekleidet in Kampfmontur, wie sie bei politischen Demonstrationen verboten wäre und mit Einkesselung bestraft würde. Die Kennedybrücke ist unvermeidlich. Mein Erlebnis war werktags, im tiefsten Winter, der Schnee war gerade erst weg. Was soll erst im Sommer werden?

Lebensgefahren durch E-Fahrräder

Hinzu kommen die Lebensgefahren der elektrifizierten Fahrräder, auf denen sich mehrheitlich die Senior*inn*en ab meines Alters aufwärts risikofreudig wie junge Götter bewegen, als könnten sie damit hormonell euphorisiert noch weitere Götterkinder zeugen – ein gelegentlich tödliches Missverständnis. Der grossartige Mobilitätsgewinn findet allzu häufig ein jähes Unfallende. Aus meiner Sicht wäre eine zentrale verkehrspolitische Forderung: runter mit diesen Fahrzeugen von gemischten Rad-/Fusswegen. Weder für Haustiere noch für unberechenbare Kleinkinder können diese Fahrzeuge und ihre Pilot*inn*en rechtzeitig bremsen.

#mehrplatzfürsrad

Bei Grünen-Sitzungen höre ich immer noch ständig die von dieser Zeit längst eingeholten Appelle, “wir” müssen für mehr Fahrradfahren werben. NEIN, SOFORT AUFHÖREN! Das kommt alles von ganz alleine, und wird noch viel schlimmer. Die letzte Ausgabe der ADFC-Verbandszeitschrift Radwelt hat mir die Augen geöffnet. Die ist noch ganz traditionell auf Papier, was bei allen anderem Medien auf dem Markt gerade ausstirbt. Sie ist aber doppelt so dick wie Spiegel oder Stern. Und hat dreimal so viel Anzeigen! In dieser Ausgabe stellt der ADFC seine Kampagne “#MEHRPLATZFÜRSRAD” vor. Und darum wird es in den nächsten Jahren gehen-
So lange die CDU (und ihre Schwester CSU) sich von der abgehenden Autoindustrie (seit drei Monaten -20% im Vergleich zum Vorjahr!) aushalten lassen, wird sich in dieser Richtung nur wenig bewegen. Das wird hier in Bonn zu neuen Staukatastrophen führen. Das Parkplatzproblem ist jetzt schon überall in der Stadt sichtbar. Auch das wird schlimmer werden.

Statt “Dorf in der Stadt”: Hiddensee in der Stadt?

Die taz-Redakteurin Silke Mertins schrieb kürzlich, warum es ihr im israelischen Kibbuz und auf Hiddensee so gut gefallen hat. Auf Hiddensee war ich in den 90ern selbst, Urlaub mit dem Fahrrad, von Hamburg nach Rügen. Knapp unfallfrei, die Autofahrer hätten, wie in der Schweiz, mehrheitlch ins Gefängnis gehört. Nur ein Auto bremste hinter uns und wechselte zum Überholen auf die Gegenfahrbahn – Kennzeichen: MS für Münster. Hiddensee war mit klarem Abstand die erholsamste Station, ich wäre am liebsten dageblieben. Was Mertins beschreibt, darum wird es bei der Stadtplanung der Zukunft gehen. Parteien, die das anders sehen, werden eine Zukunft haben, wie heute die SPD.

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