Die Kolleg*inn*en von telepolis lassen heute einen Ingenieur aus Berlin-Kreuzberg zu Wort kommen, dessen Erfindungen nur vordergründig skurril wirken und klingen. Wenigstens grübelt er in richtige Richtungen. Meine These wäre: die Mobilitätsbedürfnisse der Menschen in der Globalisierung lassen sich nicht mehr zurückdrehen. Politik muss die Frage beantworten, wie sie auf unschädliche oder schadensarme Weise befriedigt werden können.
Im globalen Verkehr müssen alternative Technologien für Schiffs- und Flugantriebe mit ganz anderem Tempo und Ehrgeiz vorangetrieben werden. Das wird nur gelingen, wenn die Privilegien und Subventionen für Reederei- und Luftfahrtkonzerne abgeschafft und sie zu “ehrlichen” Preisen gezwungen werden.
Wir haben aber auch grosse Probleme im Nahbereich, vor unserer Haustür, in der Stadt. Und zwar selbst dann, wenn die flächenfressenden Autos abgeschafft würden. Es gibt einerseits das erzieherische Mittel der “Shared Space” – es zwingt alle Verkehrsteilnehmer*innen zur gegenseitigen Rücksichtnahme und verlangsamt im Extremfall alle Bewegungen auf das Niveau der Schwächsten und Langsamsten, die sich hineintrauen. Um mein Recht als Fussgänger zu verteidigen, gehe ich bisweilen bewusst auf der Strassenfläche oder überquere sie absichtlich gemessenen Schrittes; allein das trägt schon zur “Verkehrsberuhigung” bei. Die Beueler Friedrich-Breuer-Strasse samstagsmorgens, auch die Hans-Böckler-Strasse als Beueler Zentrum der Parkplatzsuche, ist eigentlich jetzt schon nichts Anderes, obwohl die regierende CDU und ihre “Parkplatz-vor-der-Ladentür”-Freund*inn*e*n im Einzelhandel solche Konzepte mit heftigster Rhetorik bekämpfen würden.
Es gibt aber auch Probleme dort, wo gar keine Autos mehr sind. Beispielsweise auf den kombinierten und in der Vergangenheit verbreiterten Rad- und Fusswegen auf der Kennedybrücke oder am Rheinufer. Schon in der Vergangenheit waren die von der Telekom und der Sportartikelindustrie in den 90ern marketingstrategisch befeuerten Trainings-Rennfahrer*innen, insbesondere an Wochenenden, ein öffentliches Ärgernis, ebenso die Kampfradler*innen. Die Diversität der Verkehrsmittel, die nicht Auto sind, wird jetzt seit einiger Zeit immer grösser, damit auch die diversen Tempi, bei gleichbleibender Fläche. Aus meiner Sicht haben darum motorengetriebene Fahrzeuge, auch wenn sie nur zwei Räder haben, auf gemischten Rad-/Fusswegen nichts mehr zu suchen. Wer mit 25-30 km/h in hoch geschätzt 1m Abstand Rollatorführer*innen, Kleinkindeltern oder Hundeausführer*inne*n passiert, kann nicht mehr rechtzeitig bremsen, wenn jemand unbewusst einen Schritt zur Seite tut.
Ja wir brauchen mehr Verkehrsflächen für die verschiedener werdenden Verkehrsteilnehmer*innen. Es wächst Dichtestress. Es ist das Auto, das abgeben muss. Aber nicht nur das Auto.