ARD-Archivöffnung? / Den Wolfsberg hinauf

Von , am Mittwoch, 18. September 2019, in Genuss, Lesebefehle, Medien.

In den 90er Jahren sprach ich mit Manni Breuckmann über die “Tagesschau vor 20 Jahren”. Sie war damals gestartet und war, wie er mir versicherte, überraschend quotenerfolgreich. Ich schaute sie auch regelmässig, sie lief damals spätabends in allen Dritten, heute noch auf Tagesschau24. Schon damals hatten wir beide Sehnsucht nach einer entsprechenden “Sportschau vor 30 Jahren”, also etwa zu Beginn der Bundesliga.
So verging die Zeit. Das Internet erschien. Und bei der ARD passierte bis heute fast nichts. Obwohl: da soll es ein kleines Dorf im Südwesten geben, das noch nicht alle Hoffnung aufgegeben hat. Daniel Bouhs/uebermedien, dessen Vater Jochen ein toller Sportredakteur des ZDF war, berichtet. Meine Hoffnung auf eine “Sportschau vor 60 Jahren” muss ich demzufolge wohl fahren lassen. Denn die Anwaltsarmeen von DFB und DFL würden gewiss alle E-Mail-Postfächer der ARD-Sender mit Rechnungen verstopfen. Das meisterschaftsvorentscheidende Tor des 19-jährigen Werner Kaiser, zwei Minuten nach seiner Einwechslung für den Borussia-Heiligen Peter Meyer, am 23.8.1969 auf dem Bökelberg gegen den Fussballkonzern aus dem süddeutschen Raum, werden wir wohl niemals wiedersehen. Oder den seligen Hans Schäfer, Weltmeister 1954, bei seiner letzten Deutschen Meisterschaft 1964.
Nehmen wir halt die Gegenwart. Zum Start der diesjährigen Europapokal-Saison spielt Borussia Mönchengladbach gegen Wolfsberg. Fragen Sie mich nicht wo das ist, irgendwo in Österreich. Die Blog-Kollegen von seitenwahl.de geben alle nötigen und unnötigen landeskundlichen Auskünfte. Wie der BVB sich im Vorjahr gegen die blamierte, habe ich sogar persönlich in der Kneipe miterlitten. Das war echt Leistungssport, sich sowas von An- bis Abpfiff anzugucken. Es wird also wohl wieder nicht so leicht, wie es aussieht. Nach dem gestern so grandiosen Marc-Andrè ter Stegen musste ich an Eberls Königstransfer Yann Sommer denken – von allen starken Schweizer Torhütern hat Max Eberl den Besten erwischt. Möge er uns noch viele Punkte und am Schluss einen Haufen Geld einspielen.
A propos Haufen Geld: Günter Netzer wurde am Samstag 75. Und meinen Sie, irgendein Medium hätte seine Arbeit für die Firma Infront erwähnt? Er hat sogar persönlich DFB-Funktionäre in der Schweiz zur Villa von Robert Louis-Dreyfus kutschiert. Wird mann mit 75 strafrechtlich immun?
Und noch mal Haufen Geld: Depressionen breiten sich als Volkskrankheit aus. Christian Y. Schmidt, u.a. Autor von “Wir sind die Wahnsinnigen”, hat dagegen die Pekunia-Therapie entdeckt. Endlich. An dem dafür nötigen Medikament besteht ja kein Mangel – bei Ihnen und mir vielleicht, aber gesellschaftlich nicht.

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