Der Präsident der USA soll auf landesverräterische Weise mit seinem ukrainischen Amtskollegen telefoniert haben. Der Sohn eines ehemaligen Vizepräsidenten soll über ein ukrainisches Gasunternehmen in Korruption verwickelt sein. Jede dieser Nachrichten hat schon einen viele Jahre alte Bart. What’s the news?
Selbst diese normalste aller Handwerksfragen des Journalismus ist ausserkraft gesetzt. Und das zeichnet die Intelligenz des Donald Trump aus. Diese Suppe wieder aufzukochen reicht aus, seine Gegner im selbstreferentiellen politisch-medialen Komplex zu beschäftigen und von wirkungsvoller Opposition abzuhalten. Die Mehrheit der US-Wähler*innen wird nicht in der Lage sein, auf einer Weltkarte fehlerfrei anzuzeigen, wo die Ukraine liegt. Sie haben andere Sorgen. Was jetzt an dem wenig sensationellen Thema “Korruption in der Ukraine” aufgeführt wird, zeigt ihnen nur, dass “die in Washington” sich um alles Mögliche – vor allem sich selbst – sorgen, aber nicht um die Probleme der Wähler*innen im eigenen Land.
Das ist die asymmetrische Demobilisierung von Donald Trump: ein möglicher Gegenkandidat wird demontiert und die Oppositionspartei der US-Demokraten gegeneinander gehetzt – statt gegen ihn.

Deutsche Bank rettet MBS – oder umgekehrt?

Die Deutsche Bank mit Grossaktionären aus China und Katar kann ihr Glück nicht fassen. Sie “darf” am existenziell wichtigen Börsengang des grössten Kriegsverbrechers der Gegenwart mitarbeiten. Die Familie Saud ist zwar superreich, vielleicht die Reichste der Welt. Aber die Kosten laufen ihr davon. Und der neoliberale Kapitalismus ist noch mächtiger als sie. Er verlangt Rückzug des “Staates” zugunsten des “Marktes”. Jut, wer beide beherrscht, dem kann diese Alternative egal sein (so wie das kokette “Bekenntnis” von Superreichen “Geld interessiert mich nicht”). Die Sauds müssen Geld an den Weltbörsen einsammeln, um ihren Herrschaftsapparat am Laufen zu halten. Da es um sehr, sehr viel Geld und Macht geht, sind Fehler dabei verboten.
Politisch ist nun eine Frage dabei interessant, die gewiss nicht öffentlich erörtert wird. Werden sich die diplomatischen Beziehungen zwischen Deutsche-Bank-Aktionär Katar und Saudi-Arabien dadurch wieder etwas entspannen? Ist Kapital an der Börse sammeln wichtiger, als Kriege führen?