Update: mit Korrektur eines falsch gesetzten Links
Die Krise als GAU von Demokratie und Öffentlichkeit
Zum Start in den Tag verhalf mir Isolde Charim. Sie ist eine Altersgenossin und so kluge Frau, dass ich rätsele, warum sie noch in kaum einer der pilzartig sich ausgebreiteten deutschen TV-Trash-Talkshows zu sehen war. Es spricht eher für sie. Vielleicht lehnt sie solche Einladungen mit all ihrer Klugheit sogar ab. Es gibt derzeit wenig Motive, morgens das Bett zu verlassen (mein Telefon ist in einem Schrank eingesperrt), Mittagessengehen ist verboten, Lebensmittel füllen den Kühlschrank mehr, als – mangels Bewegung – Hunger kommt. Aber Charims taz-Kolumne war ein guter Grund aufzustehen. Wenn ich eines Tages mal nach Wien reisen darf, wäre es das schönste Geschenk, so einer Dame begegnen zu dürfen.
Publizistisch noch verhaltensauffälliger ist für mich die Frankfurter Rundschau, die ich schon für halbtot gehalten habe. Keiner ihrer zahlreichen Besitzerwechsel hat ihr gutgetan. Spätestens nach dem Abgang von Wolfgang Storz war es fast nur noch bergab gegangen. Dass auch mal ein gutes Interview vorkommt, wie das schon von mir empfohlene mit Jessica Hamed, hätte Zufall sein können. Doch sie machen weiter, und was so selten ist, ist wertvoll. Fast ein Wiederauferstehungswunder.
Heute spricht Tim Szent-Ivanyi mit Rechtsprofessorin Andrea Edenharter, die nicht nur von Rechts- sondern hart von Verfassungswidrigkeit spricht. Joachim Frank, den viele vom Kölner Stadtanzeiger kennen, interviewt den Politikwissenschaftler Reinhard Mohring, der sich zurecht und bitterlich über das Fehlen jeglicher demokratischer Opposition in Politik und Medien beklagt. Wenn es nur zum Schaden untätiger Parteien wäre, wäre es ja vergleichsweise egal. Dass die intellektuellen Schlafmützen die Demokratie mitzerstören, das ist der Ernstfall, wenn das Virus längst wieder weg ist …
Und wenn Sie bis hierher weitergelesen haben, hier wieder eine kleine Belohnung: René Martens empfiehlt eine TV-Doku aus dem Stall der Ehrenfelder bild-und-ton-fabrik (btf). Die können mehr als nur was-mit-Böhmermann. Zur Mediathek hier entlang. Und wenn Sie mehr wollen, dann nehmen Sie die Serienempfehlungen von Barbara Schweizerhof/Freitag. Teile davon kenne ich, und kann ihre Geschmackssicherheit bestätigen. Aber boah ey, Barbara, – wann hattest Du die Zeit, das alles zu sehen?
Hinweis: der Link zum FR-Interview mit Prof. Andrea Edenharter war falsch gesetzt, jetzt (18 h) korrigiert. Dank an Klemens Roloff!