Bedrohte Art: Linke Zweifler*innen
Dezember 2016, Attentat am Berliner Breitscheidplatz, am Fuss der “Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche” (ist eigentlich noch immer niemand auf die Idee gekommen, diesen Namen endlich zu ändern?). Ein mutmasslicher Täter mit Namen Anis Amri wird ermittelt, und gut eine Woche später in Italien von der Polizei erschossen. Aber was, wenn ers gar nicht war? Oder mindestens nicht alleine?
Deutsche Ermittlungsbehörden, angeblich für unser aller “Sicherheit” verantwortlich, wollen das nicht wissen. So wenig, wie bei der NSU-Mordserie. Sie züchten so fahrlässig, oder gar mutwillig – mit strategischer Absicht gar? – das, was im Diskurs heute gewöhnlich als “Verschwörungstheorien” gelabelt wird. Die gedeihen immer dort besonders, wo auf Aufklärung verzichtet wird. Thomas Moser/telepolis berichtet weiter, ziehen Sie Ihre Schlüsse selbst.

Zweifel und Nachfragen sind links, nicht rechts

Es gibt Zweifel an der Corona-Virus-Bekämpfung, seit dieses Virus der Öffentlichkeit bekannt ist. Sie fanden und finden auch in diesem Blog ihren Platz. Heute möchte ich z.B. Thomas Fischer/telepolis und Michael Maier/Berliner Zeitung nennen. Letzterer hat eine illustre Karriere hinter sich, und ist jetzt als Herausgeber in Berlin ein Outsider, weil das Besitzerehepaar Friedrich in der Zeitungsbranche behandelt wird, als seien sie illegale Flüchtlinge, die den Verlag per Ladendiebstahl erworben haben.
Dieser Fall der Berliner Zeitung markiert paranoide Diskursgrenzen, die aktuell auch in der Corona-Debatte versucht werden zu setzen. Wer die Verhältnismässigkeit der Virusbekämpfung diskutierend anzweifelt, ist demzufolge sowas ähnliches wie rechte Klimawandelleugner*innen. Das ist verhängnisvoll.
Diese Wahrnehmung stützt sich darauf, dass es in Räumen der veröffentlichten Meinung und als organisierte Stimme keine linke Artikulation von Zweifeln und Skepsis mehr gibt, obwohl, wie ich aus meiner privaten sozialen Umgebung bezeugen kann, es nicht wenige, eher zahlreiche Individuen sind, die sie haben, aber im politischen Raum keine Stimme sehen, durch die sie artikuliert werden. Ich befürchte nun nicht, dass diese Menschen zur Rechten wechseln. Das werden sie nicht. Aber sie werden entmutigt, demobilisiert für viele denkbare gute Anliegen. Das ist fahrlässig. Und der schlaue Gauland freut sich darüber nicht weniger, als die Expertin für asymmetrische Demobilisierung. Mit so vielen nützlichen Idiot*inn*en in der politischen Konkurrenz haben sie gar nicht gerechnet

Über Martin Böttger:

Martin Böttger ist seit 2014 Herausgeber des Beueler-Extradienst. Sein Lebenslauf findet sich hier...
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