Beueler Extradienst

Meldungen & Meinungen aus Beuel und der Welt

Der Krieg und die Grünen

Auch wenn die Schlagzeilen hierzulande dröhnend ruhig sind, viele was-mit-Medien-Leute sind im Stress beim Kofferpacken oder im Stau, um die lärmenden Kinder Gassi zu führen. Trotzdem hören die Kriege in der Türkei (Kurdistan), Syrien und Libyen nicht auf. An allen Orten gibt es deutschentypisch keine Pause beim Ausprobieren neuester Waffentechnologien. Schliesslich gilt es hier, einen globalen Champions-League-Platz zu verteidigen.
Dass diese Kriege Stellvertreterkriege sind, in denen Nato-Mitglieder, angebliche “Bündnispartner”, angeblicher “Westen” etc., gegeneinander antreten, gerne auch mit deutschen Waffen auf beiden Seiten, und dabei auch die regionale Nachbarschaft der Kriegsschauplätze zum Mitmachen animieren, überall ein amüsierter Wladimir Putin im Hintergrund, der regelmässig die Schirirolle anstrebt – das macht es alles für was-mit-Medien-Leute so kompliziert, dem doofen Publikum zu vermitteln, dass sie es lieber gleich seinlassen.
Ausser Martin Gehlen/FR und Elke Dangeleit/telepolis.

… und die Grünen

Bei so wenig deutschem Medieninteresse finden die wichtigen Teile des neuen Grundsatzprogrammentwurfes der Grünen auch nur wenig Beachtung. Durchaus von der Berliner Parteiführung und ihren Spindoktor*inn*en absichtsvoll befeuert, beherrschen “leicht vermittelbare” Symbolismen die Schlagzeilen. Wichtig dagegen wäre z.B. die Frage, ob Grüne in der Regierung Kriege wirkungsvoller verhindern würden, als wenigstens Rolf Mützenich. Nach Jürgen Wagner/telepolis, der auch für die Informationsstelle Militarisierung arbeitet, ist die Antwort ein klares Jein-Minus. Wenigstens bei Atomwaffen wären sie nicht nur für den Baumumarmer Söder, sondern sogar für den Kölner Sozi Mützenich koalitionsfähig.
Sowohl die EU(-Regierungen) als auch die Nato leiden offensichtlich sowohl nach aussen als auch intern am Aussterben eines elementaren politischen Handwerks: der Diplomatie. Brächte wenigstens dabei eine Grüne Regierungsbeteiligung Fortschritt? Ehrlich: ich weiss es nicht, vor allem keine konkreten Beispiele. Sie?

3 Kommentare

  1. Helmut Lorscheid

    Meine Lösung dieses Problems ist ganz einfach – ich werde beider nächsten Bundestagswahl Die Linken wählen.
    Diese Ostlandritter wie nuel Sarrazin – zwar mit dem immer noch in der SPD befindlichen
    Herren nicht verwand,aber nicht minder gefährlicher Anti-Russland Hetzer. Der Junge ist
    ähnlich drauf wie Marilouise Beck. Heute ist sie dort wo sie hingehört : Mitglied des Vorstands der Atlantik-Brücke. Nee, das sind nicht mehr die Grünen, für die mehrere Jahre lang, hunderte Anfragen Anträger, Reden zum Rüstungsexport geschrieben habe.

  2. klemens roloff

    Auf der Suche nach friedenspolitischen oder wenigstens diplomatischen Talenten bei den Grünen will auch mir partout kein Name einfallen. Petra Kelly? Schon lange tot (1992). Von ihr überliefert ist das Statement: „Es gibt keinen Weg zum Frieden – der Friede ist der einzige Weg.“ – Joschka Fischer? Hat als Außenminister (1998–2005) durch seine rückhaltlose Befürwortung des NATO-Einsatzes im Kosovo und später in Afghanistan die Grünen erfolgreich auf die Seite der „Realpolitik“ geführt. Aus Protest gegen dieses Manöver wurde er 1999 beim Bielefelder Parteitag mit einem roten Farbbeutel beworfen und erlitt dabei einen Trommelfell-Riss am rechten Ohr. – Egon Bahr? Auch schon gestorben (2015). War zwar Realpolitiker, aber nicht bei den Grünen.

    Telepolis-Autor Jürgen Wagner hat mit seiner Durchforstung des Grünen-Programmentwurfs eine erhellende Analyse geliefert. Besondere Aufmerksamkeit verdient seine Exegese der verschiedenen „Impulspapiere“ aus der Grünen-politischen Heinrich-Böll-Stiftung, die allesamt auf die „Anerkennung der Realitäten“ hinauslaufen, nämlich dass „in Deutschland bis auf weiteres niemand regiert, der sich der Kriegsfrage verweigert“.

    Wagner hat vermutlich recht in der Annahme, dass die militaristische Stoßrichtung der „Impulspapiere“ im Grünen-Programm wahrscheinlich nicht ganz so krass praktiziert werden wird, „um große Teile der eigenen Wählerklientel nicht zu vergraulen, die sich immer noch einzubilden scheint, sie mache ihr Kreuz bei einer Friedenspartei“.

    À propos Heinrich Böll, gefeierter Autor der deutschen Nachkriegsliteratur („Wanderer, kommst Du nach Spa …“): Hat er seinerzeit eigentlich zugestimmt, als die Grünen 1996 ihre Parteistiftung nach ihm benannten? Nein, da war der Literaturnobelpreisträger (1972) schon lange tot (1985). Dass er sich jetzt in seinem Grab (Friedhof Bornheim-Merten) herumdreht? Aber der Zweite Weltkrieg, den Böll als Soldat erlebte, der ist doch wirklich schon lange vorbei. Oder nicht?

    • Helmut Lorscheid

      Die Kinder, überhaupt die Verwandten und gute Freunde haben zugestimmt, Rene Böll und u.a. war auch der Böll-freund Bernhard von Grünberg in die Anfänge der Stiftung persönlich involviert. Die Anfänge der Böll-Stiftung waren ja auch friedensbewegt. Und zumindest der Leiterin für internationale Projekte, Barbara Unmüßig unterstelle ich eine friedensorientierte Grundhaltung.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

© 2020 Beueler Extradienst

Theme von Anders NorénHoch ↑