von Alix Arnold
Chile: Anzeige der Carabineros gegen feministisches Kollektiv LasTesis

Ihre Performance „Ein Vergewaltiger auf deinem Weg“ ging letztes Jahr von Valparaíso aus um die Welt (vgl. ila 435). Jetzt haben sich LasTesis mit Pussy Riot aus Russland zusammengetan und Ende Mai ein neues Video auf YouTube veröffentlicht: Manifesto against Police Violence (span. mit engl. UT). Den ersten Teil bestreiten die vier Compañeras von LasTesis. Sie stehen u.a. vor Stützpunkten und Fahrzeugen der Carabineros und sprechen zur Lage in Chile. Im zweiten Teil erweitert Wendy Moira, die Sprecherin von Pussy Riot in Mexiko, den Horizont auf Lateinamerika. Die Veröffentlichung war länger geplant, kam aber genau in dem Moment, als nach dem Tod von George Floyd in den USA die Polizeigewalt weltweit zum Thema wurde.
Die Carabineros, die uniformierte Polizei in Chile, die in den Monaten des Aufstands eine Orgie von Gewalt gegen die Bevölkerung entfesselt haben, haben nun LasTesis wegen des neuen Videos angezeigt. Es sei ein Aufruf zur Gewalt und bedrohe ihre Institution. In einer weiteren Anzeige machen sie die Frauen wegen ihrer Performance für Angriffe auf Polizeistationen während des Aufstands verantwortlich. LasTesis erfuhren von den Anzeigen durch die Presse. In der derzeitigen Pandemie-Situation mit Ausgangssperren ist eine solche Kriminalisierung besonders bedrohlich. Aber LasTesis wollen sich von den Carabineros nicht einschüchtern und schon gar nicht zum Schweigen bringen lassen, denn: „Sie haben die Regierung auf ihrer Seite, aber wir den Rest der Welt.“

Vorabdruck aus der ila 437, Juli/August 2020, hrsg. und mit freundlicher Genehmigung der Informationsstelle Lateinamerika in Bonn.