“Foxtrot” – ein starkes Stück Israel gestern auf Arte
Das Wichtigste zuerst: nur eine Woche Mediathek! Kinoexpert*inn*en wissen längst Bescheid. Überall, wo der Film vorgestellt wurde, wurde er mit Preisen behängt. Zu Recht. Für seinen Macher Samuel Maoz muss er ein grosses Abenteuer gewesen sein. Ein halbes Dutzend Produzent*inn*en aus drei Ländern benötigte er, um ihn zu realisieren. Das zusammenzutrommeln ist mitunter mehr Arbeit, als der eigentliche Dreh. Es hat sich gelohnt.
Selten habe ich einen Film gesehen, der nicht nur inhaltlich, sondern auch handwerklich, so radikal war. Die Bildgestaltung, und sogar das, was mich sonst am meisten nervt, die Musik, sind so radikal deutlich, dass nur wenig gesprochen werden muss. Die stärksten Momente der Schauspieler*innen sind ebenfalls die, in denen sie nicht sprechen – nur ihre Gesichter, und ihre Körper. Weltklasse.
Wie entsteht Weltklasse in so einem kleinen Land? Es wird durch den permanenten Kriegszustand verursacht. Angetrieben vom übermächtigen militärisch-industriellen Komplex mitsamt seiner begleitenden Ideologieproduktion wird die wissenschaftliche Forschung in allen Disziplinen vorangetrieben. Schon bei der verfilmten Psychotherapie “In Treatment” wurde mir deutlich, dass die israelische Gesellschaft auch in den Psychowissenschaften die Weltspitze markiert. Nirgendwo sonst sind Diagnose und Therapie so präzise, und erbarmungslos zweckorientiert, wie im Zentrum der Paranoia. Und zwar dialektischerweise auch in der Zuspitzung der inneren Widerspüche. So auch “Foxtrot”. Er zeigt die maximale Belastung, der Menschen unter diesen Umständen ausgesetzt sind; viele zerbrechen, viele zum Glück auch nicht. Und darum ist “Foxtrot” ein Dokument von tiefstem Humanismus.
Dass die trumpgebundene rechte Regierung Israels darauf so reagierte, wie sie reagiert hat, spricht dafür, dass solche Kunst für sie gefährlicher ist, als jede politische Boykottbewegung. Hätte “BDS” zu sagen, hätte “Foxtrot” nicht entstehen können. Dann besser so.