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Opa Biden greift an

Joe Biden ist der Kandidat der Demokraten. Es ist ein Trauerspiel, dass ein ehrenwerter Mann, der seinen Ruhestand verdient hat, der einzige Trumpf einer historischen Anti-Trump-Koalition gegen den Untergang der Demokratie in den USA im wahrsten Sinne des Wortes darstellt. Ja, der Parteitag der Demokraten hat gezeigt, dass die Vereinigten Staaten besseres verdient haben, als einen narzisstischen, verantwortungslosen und rassitischen Despoten und Hassmail-Autor Trump. Aber ob ein Kandidat von Vorgestern glaubwĂŒrdig die jungen Menschen einer von Profigier, Konkurrenzneid und Vereinzelung im Internet zerrĂŒtteten Gesellschaft erreichen und ihnen eine Perspektive vermitteln kann, ist doch mehr als zweifelhaft.      

Was kann Joe Biden wirklich noch erreichen?

Es geht natĂŒrlich auch darum, dass die Menschen wieder ein StĂŒck zusammenwachsen, dass die soziale Spaltung und der Rassismus ebenso bekĂ€mpft werden, wie die ungezĂŒgelte Reichtumsexplosion der Oligarchen und GĂŒnstlinge Trumps. Im Bezug auf deren Korruption sind Ermittler einzusetzen, neue Gesetze durchzusetzen und es gilt, die USA in den Kreis der zivilisierten diplomatischen Netzwerke des Planeten zurĂŒck zu fĂŒhren. FĂŒrs erste fehlt es ihm vermutlich an Durchsetzungskraft und den nötigen Mehrheiten in beiden HĂ€usern, fĂŒr letzteres ist Biden mit seiner Erfahrung sicher der richtige Mann. Aber er wird kaum in der Lage sein, im eskalierten Klassenkampf zugunsten der Superreichen StĂ€rke und notwendige DurchsetzungsfĂ€higkeit zu beweisen. Oder weiss er, der die alten Seilschaften von Wallstreet kennt und weiss, warum diese auf ihn bauen, – verfĂŒgt er doch ĂŒber Hebel und Instrumente sie zu bĂ€ndigen? Könnte es sein, dass der greise Biden, der in diesem Leben nichts mehr werden muss, dann doch durchfĂŒhrt, was weniger unangreifbare wie Obama vor ihm nicht schafften?

Parteien, Wahlen und Staat von Korruption befreien?

Wir wissen es nicht und es wird die Unsicherhheit seiner Kandidatur und Wahl bleiben. Aber jenseits seiner persönlichen Möglichkeiten wird mit dieser Kandidatur eine ZĂ€sur des US-amerikanischen Regierungssystems offenbar: Die Vereinigten Staaten brĂ€uchten tiefgreifende Reformen im Parteien- und Regierungssystem, wie sie letztmals in den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts passierten. Die damaligen von korrupten Gewerkschaften beherrschten Demokraten und von der Industrie geschmierten Republikaner wurden gezwungen, das System der “Patronageparteien” aufzugeben. Parteispenden wurden kontrolliert, rigoros begrenzt und mĂŒssen seitdem veröffentlicht werden. Aber inzwischen haben Interessengruppen, dubiose Geldquellen, Stiftungen, Sammlungen und Sachspenden sowie korrupte Netzwerke bis hin zu Vasallen Trumps, wie der CEO der Post, das Rad der Geschichte zurĂŒckgedreht, haben das Regierungssystem der Vereinigten Staaten zutiefst durchdrungen und die Demokratie ausgehöhlt.

Die Wahl zwischen Oligarchen durch Demokratie ersetzen?

Eine solche Reform mĂŒsste dringend auch die Medien, Presse und Öffentlichkeit als “vierte Gewalt” der Demokratie einbeziehen. Denn sie ist konstitutiv fĂŒr eine funktionierende freiheitliche Gesellschaft. Nicht nur die US-Parteien und ihre Verfassung, das Wahlrecht – VerhĂ€ltnis- oder Mehrheitswahlrecht – sowie die Parlamente und ihre Zusammensetzung mĂŒssen in solche Überlegungen dringend einbezogen werden. Das politische System der USA ist inzwischen weitgehend ein System der organisierten Oligarchie. Wer nicht ein eigenes Millionen- oder gar Milliardenvermögen mitbringt oder von den verschiedenen Cliquen der Reichen und Superreichen unterstĂŒtzt wird, hat keine Chance in der Politik. Als der MilliardĂ€r Bloomberg in den demokratischen Vorwahlen im Februar antrat und schnell scheiterte, versprach er, den Sieger der KandidatenkĂŒr finanziell zu unterstĂŒtzen, damit man Trump loswerde. Ein solcher Vorgang ist im Prinzip eine demokratische Schande, ein Offenbarungseid des Systems. Wenn ein demokratischer Kandidat von so etwas profitiert, sogar darauf angewiesen ist, ist das nicht akzeptabel. Allenfalls als Notwehr gegen Trump entschuldbar, denn wer einen Parteitag im Weißen Haus abhĂ€lt und damit gegen eine 200 jĂ€hrige Regel verstĂ¶ĂŸt, erkennt offensichtlich keine Regeln mehr an. Seit Kennedys Kandidatur 1961 hat sich die Demokratie in USA in diese Richtung der Machtabsicherung durch Geld entwickelt. Barack Obama war die geniale Ausnahme, weil es ihm gelang, durch ein internetgestĂŒtztes System der Kleinspenden bis hinunter zu 10 Cent-BetrĂ€gen Millionen aus den Spenden der “kleinen Leute” zu mobilisieren. Aber auch die Clinton-Stiftung, die Millionenspenden von Ukrainischen Oligarchen annahm, wĂ€hrend Hillary Außenministerin war, ist ein Zeichen der alles durchdringenden Korruption der US-Politik.

Die Nation vereinen bedeutet, ein Entwicklungsland zu modernisieren!

Die GegensĂ€tze zwischen ĂŒberfĂ€lligen Reformen des uralten politischen Systems der USA und der bescheidenen Forderung, dass doch einfach nur die Dinge des tĂ€glichen Lebens zuverlĂ€ssig funktionieren sollten, klaffen meilenweit auseinander. Als die letzten Hurricanes den SĂŒden um New Orleans fluteten, wurde die PrimitivitĂ€t der Infrastruktur offenbar. Offene Stromleitungen, TransformatorenkĂ€stchen an jeder Straßenecke, verkommene Trinkwasser- und Kanalisationsversorgung, mangelhafte Rettungsdienste und ein finanziell ausgeplĂŒndertes öffentliches Gesundheitswesen in der Corona-Krise – die Mehrheit der US-BĂŒrger von der unteren Mittelklasse abwĂ€rts lebt wie in einem Entwicklungsland, unterscheidet sich kaum vom Standard in Kenia. Die Politik hat keine Mittel oder keinen Willen, das zu Ă€ndern. Die Superreichen wie Buffett, Gates, Zuckerberg, Bezos und Co. dagegen, machen was sie wollen.

Ohnmacht des Staates gegen Superreiche beenden?

Das war nicht immer so. Als die Regierung Kennedy beschloss, einen Menschen auf dem Mond zu landen und ihn sicher zurĂŒck zu bringen, setzten NASA, McDonnell Douglas, Lockheed, Boeing und viele andere um, was ihnen der demokratische Staat vorgab und bezahlte. Gerade hat Amazon von wem auch immer die Erlaubnis erhalten, aus der eigenen Tasche 6.000 Minisatelliten im erdnahen Orbit zu positionieren – Space X ist schon dabei, das gleiche zu tun und hat schon ĂŒber 600 ins All geschossen. Beide Unternehmen begehen ohne, dass die UNO oder andere Staaten gefragt wurden, eine Okkupation des Weltraums, die mit unertrĂ€glicher Lichtverschmutzung des Orbit einhergehen wird, die alle Staaten und BĂŒrger betrifft, die aber nicht gefragt worden sind. Da rein physikalisch kaum mehr als diese zwei US-Konzerne in der Lage sein werden, den immer knapper werdenden erdnahen Orbit mit Kleinsatelliten zu verseuchen, ohne stĂ€ndige Kollisionen in Kauf zu nehmen, macht der Vorgang deutlich, dass die demokratischen Instrumente des vorletzten Jahrhunderts nicht mehr tauglich sind, um im 21. Jahrhundert die Erde einigermaßen demokratisch zu regeln. Nicht nur die US-Demokratie, auch die internationalen Systeme haben in diesem Fall versagt. Satelliten, um kommerzielles Internet zu verkaufen, mögen da noch harmlos sein – aber was, wenn es beim nĂ€chsten Mal um Plattformen zum Abschuss von Atomraketen mittels Laser geht?

Demokratie im 21. Jahrhundert ist fĂŒr uns alle Neuland

Was bei Angela Merkel einst geradezu putzig klang: “Das Internet ist fĂŒr uns alle Neuland” ist in den USA in verschĂ€rfter Weise, aber ebenso in Europa und weltweit ein permanent wachsendes, ein reales Problem: Die Entwicklung der Demokratien und die Entwicklung der Politik haben nicht mit der Entwicklung von Technikfolgen, Herrschaftstechniken, beherrschenden und manipulativen Instrumenten Schritt gehalten. Von der Kampfdrohne ĂŒber die Kriegs-KI und allgegenwĂ€rtige biometrische Überwachungssysteme, umweltzerstörerischem Fracking bis zum Zeitungssterben und Medienzerstörung durch (a)soziale Netzwerke werden die Verfassungen ĂŒberrannt. Pressekonzentration in den HĂ€nden Weniger wie Murdoch oder Berlusconi, Desinformationskampagnen, Fake-News, von Privatsendern wie Fox-News, dubiosen bibeltreuen AntiaufklĂ€rern, Bewusstseinsblasen wie die der Coronaleugner und Impfgegner, und einer systematischen Ausblendung des grĂ¶ĂŸten Menschheitsproblems, des fortschreitenden Klimawandels. All das spĂŒrbar zu Ă€ndern, kann Opa Joe Biden niemals schaffen.

Aber er kann etwas anderes erreichen: Er kann einer betrogenen, belogenen und verhetzten Nation vielleicht ein kleines StĂŒck Demokratie zurĂŒckgeben, indem er es schafft, den kranken Egomanen durch einfaches, rechtschaffenes und wahrhaftiges Regieren abzulösen und vielleicht nach zwei Jahren an seine VizeprĂ€sidentin zu ĂŒbergeben. Und vielleicht gibt es dann eine Chance, dass sich etwas zum Positiven Ă€ndert – nicht nur in den USA. Ein kleines bisschen Hoffnung ist viel in dieser Zeit.

3 Kommentare

  1. Joachim Petrick

    Bernie Sanders innerparteilich linker Rivale Joe Bidens zitiert in seinem Buch „Unsere Revolution“ 2016 S. 93 Louis Brandes 1916-39 Richter am Obersten Gerichtshof:
    „Wir mĂŒssen uns entscheiden. Entweder haben wir eine Demokratie oder wir haben Reichtum, der sich HĂ€nden weniger konzentriert. Beide zusammen geht nicht.

    Sanders fordert Neuauflage Glass Steagall Act, 1933 von US PrĂ€sident Franklin D. Roosevelt eingefĂŒhrt, nach Börsen Crash 1929, Universalbanken System, Spareinlagen- , Investmentbanken Zusammenschluss, aufzulösen, Banken Eigenhandel mit Kundengeldern zu beenden, gleichzeitig bis zu 90 % Einkommenssteuer einzufĂŒhren. Das wurde in Bill Clinton Ära 1998 abgeschafft . Sanders beklagt “Citizen United Act” 2010 wĂ€hrend Obamas Ära , mit dem es Wall Street Lobby gelang, Wahlkampffinanzierungsregeln auszuhebeln, ĂŒber Tarnorganisationen Kandidaten ihrer Wahl verdeckt in unbegrenzter Höhe legal zu sponsern In Deutschland hat dies AWD CEO Carsten Maschmeyer 1998 zugunsten Gerhard Schröders vs Oskar Lafontaine beide SPD mit Masche gesponserter Groß Anzeigen „Ein Niedersachse muss Kanzler werden“ praktiziert, nach dessen Kanzler Wahl, EinfĂŒhrung Riester-, Rörup Rente zugunsten deutscher Versicherungswirtschaft, Finanzdienstleistern wie AWD mit gesponsertem Schröder Buch getoppt. Weiter will Sanders PrivatgefĂ€ngnisse abschaffen, in denen sich 130 000 Insassen befinden (2015). Sanders will Abzocke beenden bei vorgehaltenen 800 000 InternierungsplĂ€tzen in privat gefĂŒhrten Einrichtungen in „Flying Over Lands“ unter Aufsicht des Heimatministeriums.
    Sanders will mit Biden gegen Supreme Court Entscheidung 2003 kĂ€mpfen, die gegen Voting Rights Act 1965 zum Schutz Wahlrechts gerichtet, besagt, dass es keines Schutzes mehr bedarf, weil dies zulasten Afroamerikaner, Latinos geht, von denen 11% Aufnahme ins WĂ€hlerregister verweigert wird, weil sie nicht ĂŒber geeignete Lichtbilder verfĂŒgen, dazu Millionen, die wg Bagatelldelikten Wahlrecht verlieren (S. 102)

  2. El Narizon

    Wenn auf Youtube Ausschnitte alter Reden von Joe Biden auftauchen (bevor diese ggf. wegzensiert werden, weil freiheitliche Demokratie, gelle?), in denen er noch im mittleren Alter ist und dunkle Haare hat und ĂŒber N***er hetzt, frage ich mich, ob er vielleicht ein Heuchler sein könnte.
    Dass er junge Frauen und MĂ€dchen begrabbelt, ist auch kein Geheimnis mehr.
    Ein weiter Psychopath, der sich als “Demokrat” (ein Euphemismus, ein Etikett) bezeichnet.
    Nur Trump zu bashen und Biden hochzuloben ist fĂŒr die Welt jedenfalls der falsche Weg.
    Diejenigen, die der Clinton nachtrauern, erkennen ja auch nicht, dass sie eine kranke Psychopathin ist und unter ihrer PrÀsidentschaft das Risiko eines Krieges USA-Russland zigfach höher wÀre.

    • Joachim Petrick

      So gesehen prallen monströse PrĂ€sidentschaftskandidaten Heuchler der Demokraten, Republikaner beim US PrĂ€sidentenwahlkampf 2020 aufeinander, wobei Donald Trump einst Democratic WĂ€hler Clinton Fan auf das WahlmĂ€nnersystem von 1776 spekuliert, derjenige bleibt, der prahlt und prallt, wĂ€hrend Joe Biden auf das Popular Vote setzt, aggressiv gehemmt, sein Potenzial an Psychopathen Hass und Wut durch die Losung „Versöhnung, ich liebe euch doch alle, ihr wisst es doch“.
      Wer hat da geklopft? „MfS Minister Erich Mielke oh Jammer Januar 1990 in der DDR Volkskammer schallende Liedgut Lacher auslöst „Lacht auf ihr Völker zum letzten Gefecht fĂŒr das Menschenrecht“ in alle Richtungen auch dorthin in „Flying Over Lands“ wo Niemand diese will vor lauter Wut ungehaltener Reden beim DenkmĂ€ler Sturz platzt, mit Watte BĂ€uschen wirft, jeder jeden schlagend, gemeinsam das USA Gesellschaftsmodell „Born to be alive. Yes, we can“. American Way of Life!“ in ein stramm nationalpatriotisches Staatsmodell „Zentralmacht Bund gegen 55 Bundesstaaten“ schrumpfen lassen, bis die USA seit 1776 VorlĂ€ufer implodierender UdSSR 1991 selber implodiert, balkanisiert in seine Bestandteile zerfĂ€llt, dort das Modell LĂŒgen strafen, in Puerto Rico dem 53 Bundesstaat erhellen.
      Denn dort dĂŒrfen die BĂŒrger zwar bei der Demokraten PrĂ€sidentschaftskandidaten Nominierung mit wĂ€hlen, aber als WahlbĂŒrger 2. 3. Klasse mit nachrangigem StaatsbĂŒrgerrecht nicht bei der US PrĂ€sidentenwahl 3. November 2020 (Quelle: Bernie Sanders Buch „Unsere Revolution Ullstein Verlag 2016, S. 401). WĂ€hrend die alten MĂ€chte China, Indien, Kontinental Europa, England Insulaner, Russland sich ĂŒber die Banden unbedarft frohlocken was feixen, als ginge sie das alles nix an. Dabei sind deren Handel, Wandel, RĂŒstung, Verkehr von Personen, GĂŒtern, Dienstleistung Interessen in USA zulasten der Bevölkerung, Demokratie so versammelt wie sonst nirgendwo in der Welt. Na dann, Klappe zu, USA Affe tot?“

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