Von einer Albanerin können wir noch was lernen
Besonders abgedrehte westdeutsche “maoistische” Sekten haben es in den 70ern getan: von einem despotischen albanischen Führer lernen. Die Geschichte ist vernünftigerweise über die hinweg gegangen. Die “Gartenhaltung” für Männer war noch nicht erfunden. Nun meldet sich eine albanische Professorin aus dem Auge des neoliberalen Kapitalismus in London. Und von der können wir noch was lernen.
Meagan Day (Interview)/Jacobin mit Lea Ypi: “»Was der Linken fehlt, ist ein alternativer Kosmopolitismus« – Das aktuelle Chaos in der Welt lässt sich nicht verstehen ohne den Aufstieg einer global vernetzten Rechten, findet Lea Ypi. Im Interview spricht sie darüber, was die Linke tun muss, um ebenfalls wieder zu einer internationalen Kraft zu werden.”
Frei von sozioökonomischer Analyse kulturalisiert dagegen Andreas Püttmann/Blätter drauflos: “Rechtspopulismus: Eine Bewegung von Narzissten – Oft heißt es, verantwortlich für den Aufstieg der Rechten sei das Versagen der demokratischen Parteien. Doch der Rechtsruck ist auch Ausdruck einer kulturellen Krise. Bürgerschaftliches Ethos weicht ungehemmt ausgelebtem Narzissmus – vor allem im AfD-Milieu.” Was kein Wunder ist, denn er hat sein Berufsleben bei der CDU-nahen Konrad-Adenauer-Stiftung verbracht. Da lernt mann sowas nicht.
Lenresistenzen in der Provinz
Die Schäden an der Bonner Nordbbrücke haben sich als so schwerwiegend herausgestellt, dass sie jetzt von der weltberühmten Autobahn GmbH nicht nur für LKW sondern alle gesperrt wurde. Als ich gestern auf der Combahnstrasse die St. Augustiner überqueren wollte, stellte sich mir prompt ein doppelspänniger Budweiser-LKW in den Weg. Ich hätte ihn erpressen können: gegen einen Kasten dieses wohlschmeckenden tschechischen Bieres hätte ich ihm verziehen, dass er rechtswidrig auf die nichtfreie Kreuzung draufgefahren ist. Wie es eigentlich immer alle machen, die in einer Blechkiste sitzen – Führerschein und Fahrschule hin oder her. Lange her vor allem.
WDR – eine nicht lernfähige Organisation
Ich habe es bereits in einem Leserkommentar unter Hidir Çeliks viel gelesenem Nachruf vermerkt, und will es auch an dieser Stelle nochmal hervorheben. Für die taz hat Anastasia Zejneli, hier ein Jugendwerk von ihr, eine anonym bleibende WDR-Cosmo-Mitarbeiterin interviewt: “Cosmo-Redakteur*in über Umbau: „Ich fühle mich ehrlich gesagt verarscht“ – Der WDR möchte den einzigen interkulturellen Radiosender entkernen. Ein*e Redakteur*in erzählt anonym, wie es der Redaktion mit dem Umbau geht.”
Es wurde die fachlich reifste Kritik an der WDR-Programmpolitik, die ich seit langem gelesen habe. Gute Arbeit, von beiden.
Die Abstimmung im WDR-Rundfunkrat über die Pläne der WDR-Führung verlief am Nachmittag erstaunlich knapp mit 25:20. Bei 55 Mitgliedern ist das noch nicht einmal eine absolute Mehrheit seiner Mitglieder, aber einige haben wohl gefehlt (oftmals die vielbeschäftigten Abgeordneten). Schade, andersrum wäre es ein schöner Rücktrittsgrund für einige der Verantwortlichen geworden.

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