mit Update nach dem Frühstück
Arnd Zeiglers Crew war in Essen-Karnap, um dort Ente Lippens und Fred Bockholt in Willis Kneipe “Ich danke Sie!” zu treffen. Sie zeigten wie Ente im ZDF-Sportstudio Pelé an der Torwand besiegte (Video ab Minute 12) – damals schossen die Jungs mit einer Lässigkeit, wie sie sie sonst auf dem Rasen, im Stadion, zeigten. Fred Bockholt war damals vom VFB-Bottrop, von der anderen Seite der B224, nach Essen gewechselt. Beide zusammen absolvierten mehrere Bundesligaaufstiege von Rot-Weiss Essen, die damals wie heute eine Fahrstuhlmannschaft waren. Nur damals, zu Lippens’ Zeiten eben drei Ligen höher als heute.
Es folgten die Tore des Lokalderbys zwischen RWE und RWO, 3:0. Um RWO müssen wir uns in der 4. Liga (Regionalliga West) dieses Jahr Sorgen machen. Wie um den Bonner SC. Und das gesamte Fußballgeschäft, wie wir es kannten. Es wird auch ganz oben Zusammenbrüche geben: vom FC Barcelona über Schalke 04 bis ganz unten. Schon jetzt wirkt das Geschehen gespenstisch. Es wird nur noch wenige Monate andauern.
Update: Was Zeigler nicht zeigte
Bei Willi Lippens umme Ecke wurde der deutsche Frauenfussball geboren. Das Matthias-Stinnes-Stadion diente zuletzt als Flüchtlingszeltstadt der Stadt Essen. In den Jahrzehnten zuvor hatte sie das Stadion sterben lassen. Schon in den 70er Jahren musste die Tribüne abgerissen werden – Einsturzgefahr. Während die meisten Medien behaupten, den Frauenfusssball gebe es jetzt seit 50 Jahren, gab es ihn schon lange zuvor – illegal! Hier de Erinnerung an das erste Länderspiel, hier ein DLF-Sportgespräch zum Thema, und hier ein wie immer sachkundiger Kommentar von Alina Schwermer/taz.
Özil
Philipp Selldorf/SZ hat sich, nach Jahren des Schweigens in den meisten Medien, endlich der Mühe unterzogen, das Missmanagement des Jahrhundertfussballers Mesut Özil unter die Lupe zu nehmen. Es gehört schon einiges an Doofheit und Niedertracht dazu, die Karriere so eines Übertalents aus schmutzigen politischen Motiven, gepaart mit gieriger Egomanie, so zu ruinieren, wie es nun fast vollbracht ist. Vor der letzten WM 2018 hatte ich diese Frage in einem vielgelesenen Text aufgeworfen. Selldorfs Recherche entnehme ich, dass Özil seinen Vater kaltgestellt hat, ansonsten aber nichts besser wurde. Die medienpolitische Frage bleibt, warum die Angelegenheit viele Jahre nicht öffentlich diskutiert wurde. Meine These: zuvor mussten komplizierte Entflechtungen erfolgen, um nicht höhere deutsche Fußballautoritäten, als der Herr Özil eine ist, in unlösbare Interessenkollisionen zu manövrieren. Das scheint nun erledigt, und Selldorf konnte loslegen, ohne jemand Wichtigem wehzutun.
Nebenbei hat er in seiner Özil-Würdigung vergessen zu erwähnen, dass der Gelsenkirchener Junge im Alter von 11-16 in der Jugend von Rot-Weiss-Essen gelernt hat. Hätte RWE nicht als Ausbildungsverein an den millionenschwerden Ablösegeschäften der Özil-Karriere teilhaben dürfen, wäre er heute, in der 4. Liga, wahrscheinlich längst pleite.