mit Update: Flugscham
Der Bonner Hendrick Streeck ist in seiner Berufswelt umstritten. Er glänzt mit steilen Thesen und liess sich von unseriösen PR-Unternehmen bei ihrer Verbreitung beraten, wie übrigens auch Armin Laschet. Muss jede*r selber wissen. Ich bin kein Mediziner, aber in dem, was mir persönlich wichtig ist, sagt er im FR-Interview Ähnliches wie kürzlich Frau Addo. Der Unterschied ist nur, dass Frau Addo eingemauert war (Paywall), während Streecks zweifellos publikumswirksame Aussagen online zugänglich sind.
Die Kinder- und Jugendpsychologin Hanna Christiansen erörtert im SZ-Interview viele richtige und wichtige Beobachtungen. Sie unterminiert ihre Ausführungen allerdings mit einer staatsbürgerlichen Bankrotterklärung: “Je mehr ich hadere und mir vor Augen führe, wie schrecklich alles ist, desto schlechter geht es mir. Besser ist es, die Situation radikal zu akzeptieren, da man sowieso nichts daran ändern kann. Wenn ich die ganze Zeit mit meiner Machtlosigkeit hadere, geht es mir nur noch schlechter.” Viele ihrer politischer denkenden Berufskolleg*inn*en werden sich darüber die Haare raufen. “Machtlosigkeit”? In einer Demokratie? Wenn ich damit aufhören würde zu hadern, müsste sich meine Mitmenschen um mich ernsthafte Sorgen machen!
Kinotod
Ein anderer Hardcore-Realo scheint der Oberhausener-Kurzfilmtage-Chef Lars Henrik Gass zu sein. Er sieht die letzte Rettung des Kinos in seiner Musealisierung. Das wäre weniger schlimm, als es klingt. Es würde die Sichtbarkeit einer kulturellen Praxis über die Zeit ihrer ökonomischen Verwertbarkeit hinaus sichern. Und Gass könnte rechthaben, dass das Kino sich derzeit exakt an dieser Schwelle bewegt. Ich war selbst schon lange nicht mehr dort, interessiere mich persönlich nur für Filme, die ein Minimum an gesellschaftlicher und politischer Relevanz versprechen, und mich dabei nicht auch noch zusätzlich “schlecht drauf” bringen. Für ernsthafte Künstler*innen mag das schrecklich klingen – aber auch hier bin ich der Meinung: jede*r wie er*sie will. Ich will auch meinen individuellen Massstab nicht zum Kriterium gesamtgesellschaftlicher und künstlerischer Relevanz erheben. Jede Nische hat ihre Berechtigung, die Menschen sind verschieden. Das ist ja das Schöne, das gerettet werden muss.
Fußball tot
Der beste, schönste, grösste, in seiner Monstrosität geliebteste Verein der Welt ist insolvent, spätestens im Januar. Was die Franco-Faschisten nie geschafft haben, machen katalanische Wirtschaftsverbrecher selbst. Traurig, aber alle, bis in den süddeutschen Raum, wissen, dass es dabei nicht bleiben wird. Ich erinnere nur an meine Geburtsstadt Gelsenkirchen. Das ganze Business wird den feudalen Potentaten und Kriegsverbrechern noch billiger in den Schoss fallen, als es sowieso schom imgange war. An Selbstreferentialität wird es deutlich zulegen. Fans sind schon ausgesperrt, und werden (dann) auch nicht mehr benötigt. In einem netten Gespräch zwischen Alina Schwermer und René Hamann/rtaz wird gespiegelt, was in ihnen los ist. Immer weniger. Die Sucht lässt nach. Es gibt Wichtigeres.
Am Schönsten ist daran, den Bizzynessmen dabei zuzusehen, wie sie es langsam merken, und ihnen dabei die Muffe geht. Viele Westfalen darunter.
Korrekturhinweis: Hendrick Streeck liess (und nicht: lässt) sich von unseriösen PR-Unternehmen beraten. Eine fachkundige Leserin wies mich darauf hin, dass sich Streeck von der Firma Storymachine der Herren Mronz und Dieckmann getrennt habe. Er lässt sich weiterhin medienberaten, vom wem sagt er namentlich nicht. Die NRW-Landesregierung und die Mehrheit der NRW-Kommunen lassen sich übrigens weiterhin vom gleichen Herrn Mronz, Witwer von Guido Westerwelle, Olympische Spiele aufschwatzen. Hier gilt nicht jede*r wie sie*er will – das ist unsere Entscheidung als Bürger*innen; und ich bin gegen das Ausräubern öffentlicher Kassen durch die IOC-Mafia.
Update: Flugscham
Der manchmal unübertreffliche Wolfgang Pomrehn/telepolis gibt einen wunderbaren Überblick über Aktionen zur Eröffnung des BER, dieses gespenstischen Flughafens kurz vor Polen – doch, den gibt es jetzt wirklich. Dabei taucht ein fast vergessener Grüner wieder auf, der so gerne der Schrecken Xi Jinpings und Wladimir Putins, sowie ein Buddy Joe Bidens werden würde, und das aber in diesem Leben nicht mehr schaffen wird. Zum Schrecken Wolfgang Pomrehns hat ers immerhin geschafft. Die Grünen-Wähler*innen, die er abschrecken könnte, kennen ihn vermutlich überhaupt nicht.