Marylyn Addo, Hamburger Infektiologin, spielt – auch publizistisch – seit einigen Monaten in der ersten Liga der Pop-Virolog*inn*en mit. Sie glĂ€nzt nicht mit steilen Thesen, auch nicht mit (ĂŒberzogener?) WiderstĂ€ndigkeit, mehr mit trockener Sachlichkeit. Über deren Inhalt selbstverstĂ€ndlich immer gestritten werden darf, und muss. Die FAZ hat sie in ihrer Paywall eingemauert. Doch auf die Gefahr hin, dass ich von den Abmahnkanzleien der Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH zur Strecke gebracht werde, möchte ich eine zentrale Passage von Frau Addo zitieren. Denn sie forscht auch in einem von derzeit 170 Impfstoffprojekten. 44 davon, darunter ihr eigenes, seien in der dritten, der letzten Versuchsphase.
“Es” dauert bis Ostern, und noch lĂ€nger
Addo sagt: “Es wird mit hoher Wahrscheinlichkeit einen Impfstoff geben, aber wir wissen einfach noch nicht, was er leisten kann. Selbst wenn wir im FrĂŒhjahr vielleicht drei Impfstoffe haben, werden wir trotzdem nicht unmittelbar wieder im Stadion sitzen oder Karneval feiern können, das ist nicht realistisch. Es wird ein lĂ€ngerer Prozess sein. Die Impfstoffe werden uns hoffentlich helfen, dass wir das Virus wieder weit zurĂŒckdrĂ€ngen können. Aber es wird nicht ganz verschwinden. Wir dĂŒrfen da nicht zu hohe Erwartungen haben. Es wird keinen unmittelbaren Heilsbringer geben und dann wird alles wieder gut.” Sarichdoch. “Es” wird bis Ostern dauern, und ist dann immer noch nicht “vorbei”.
Brasilien
Was stattdessen weltweit bevorsteht, kann in Brasilien nicht mehr verborgen werden. Die Impfstoffsuche ist hochgradig politisiert und vermachtet. Es geht um sehr viel, u.a. sehr viel Kapital und Marktmacht. Nebenbei auch: um Menschenleben, und wie die Überlebenden weiterleben können und wollen. In Brasilien ist nur besonders sichtbar, das Verbergen mit grossem Krach gescheitert, was ein globales Rattenrennen ist.
Schweden
In Fachkreisen – aus der breiten Massenöffentlichkeit wird es recht erfolgreich rausgehalten, oder nur mit oberflĂ€chlichen Schlenkern abqualifiziert – gibt es eine kontroverse Debatte ĂŒber die schwedische Coronapolitik. Gestern im DLF-Medienquartett wurde bereits zutreffend auf eine komplett andere Kultur hingewiesen, was das VerhĂ€ltnis zwischen BĂŒrger*inne*n und Staat betrifft. Andrea Seliger/telepolis und Henning Rosenbusch/nachdenkseiten diskutieren weiter.