von Gert Samuel
Trumps Albtraum

Erneut erwacht er schweißgebadet. Wieder dieser ekelhafte Traum. Er, der 45. Präsident der USA, der Beste, den es je gegeben hat, ist allein, ganz allein im White House, von allen verlassen. Als einer der ersten war dieser beschissene Schwiegersohn von Bord gegangen, bald danach auch sein Sohn, der tatsächlich zu glauben scheint, dass die Trompeter die Mauern von Jericho niederstürzen ließen. Alle, für die er sich in den vergangenen vier Jahren so selbstlos eingesetzt hat, haben sich verzogen. Und jetzt, inmitten der Nacht, ist auch keiner seiner über siebzig Millionen Untertanen, für die er der Größte, der König ist, bei ihm.

Aber das alles übertrifft dieser elende Song „They’re coming to take me away…“ aus der Mitte der 1960er Jahre von diesem sieben oder acht Jahre älteren noch elenderen Typen, diesem Mungo Crazy, nein Mungo Jerry, nein, der war später, wie heißt der denn noch, ja dieser Napoleon XIV – dabei gab es in der Geschichte doch nur einen Looser mit diesem Namen, diesen italienischen oder französischen Dreikäsehoch, der vor den Toren Moskaus scheiterte und auch nach einem geglückten Ausbruch aus dem Gefängnis sein Waterloo erlebte. Dieser Napoleon XIV hatte diesen Song nur geschrieben, um ihn, den jungen aufstrebenden Donald Trump, zu ärgern, als ihn während des Studiums seine Freundin verlassen hatte und er deshalb so unsäglich gelitten hatte. Was hatte es damals gekostet, damit dieser Song im August 1966 nicht Nummer 1 in den Billboard-Charts werden konnte? Wie viele „Summer in the City“-Singles von „Lovin’ Spoonful“, die er überhaupt nicht mochte, mussten aufgekauft werden, um das zu verhindern? Ein Schweine-Geld hatte das damals verschlungen. Aber es hatte geklappt.

Doch dieser ekelhafte Song hatte sich seitdem eingegraben in sein Hirn. Bei jeder noch so kleinen sich bietenden Gelegenheit, wenn ihn das Glück verlassen hatte, donnerte dieser verdammte Song von Napoleon XIV in seine Träume. Dagegen war er machtlos, nichts konnte er tun, niemand konnte ihm helfen. Nun riss ihn dieser Song immer wieder aus dem Schlaf, in jeder Nacht.

Über den/die Autor*in: Gastautor*inn*en

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