“Wunder von Madrid” ist politisches Trugbild / Stuttgart auf dem Weg dahin?
mit Update 18.11. zu Stuttgart
Dies ist keine Spanien-Beschimpfung, sondern wie so oft, ein weiteres Beispiel, wie deutsche Billigmedien ihre Leser*innen für dööfer halten, als sie sind. Mit einfachsten Recherchemitteln erklärt Ralf Streck/telepolis die Unterlassungen minimalsten journalistischen Handwerks durch die Deutsche Presse-Agentur und die zahlreichen bei ihr – gegen Gebühr – abschreibenden “Premium”-Medien. In der Region Madrid regiert aktuell ein Bündnis, das einer CDU/CSU-FDP-AfD ähnelt. Wenn die dpa damit sympathisiert, sagt das mehr über sie, als über den Wahrheitsgehalt ihrer Meldungen. Wer bewusstlos bei ihr abschreibt, ist am Ende selber schuld.
Stuttgart
In der ehemaligen Grünen-Hochburg Stuttgart war eine OB-Wahl (1. Wahlgang), die gezeigt hat, was passieren kann, wenn hegemoniale Grüne bündnispolitisch mit verbundenen Augen operieren. Schon in Freiburg war ein Grüner OB abgewählt worden. In Stuttgart hat er – Fritz Kuhn – nicht wieder kandidiert. Noch mehr als das numerische Ergebnis kündigt das komplette politische Szenario ein Wetterleuchten an. Das Prekariat deutscher Kommunalpolitik wird durch professionelle Agenturen ersetzt.
Was vordergründig wie ein fortschrittlicher Qualitätssprung aussieht, läuft im Kern auf eine Privatisierung öffentlicher Politik hinaus. Agenturen stecken auch heute schon hinter fast jeder relevanten Parteikampagne. Gewöhnlich operieren sie “nur” als Dienstleister für einen politischen Auftrag. Die besten Agenturen fordern von ihren Auftraggeber*inne*n eine kohärente inhaltliche Klarheit des Auftrages, womit so manche Partei heute schon überfordert ist. Wenn sektenähnlche Agenturen selbst den Auftrag kreieren, dann wedelt der Schwanz mit dem Hund – was dem nicht gut bekommt.
Update 18.11.: Die taz hat sich entschlossen, einen Kommentar zum gleichen Thema von Cornelius Oettle auf ihrer Satireseite zu platzieren. Er kam mir heute wie der politischste Text dieses Mediums vor, was für eine weitere Verschmelzung von Satire mit politischer Wirklichkeit spricht. Arme Kabarettist*inn*en.