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House Of Cards – das Original

… kommt bald wieder / Outing eingemauert / Musik öffentlich-rechtlich abgeschaltet
Grösste Freude dieses Jahres: Arte wird ab dem 12.2. das britische Original des US-amerikanischen Streaming-Busters “House Of Cards” in seine Mediathek heben. Es ist bemerkenswert anders, nämlich wärrie brittisch. Nur Alte werden sich erinnern. Was heute undenkbar erscheint, war Anfang der 90er noch möglich: die ARD übernahm die Miniserie in ihr Hauptprogramm nach der Tagesschau um 20.15 h, unter dem damaligen verdeutschten Titel: “Um Kopf und Krone”. Es ging um nicht weniger als die Macht im Empire. Ian Richardson setzte in der diabolischen Hauptrolle Massstäbe, die – meiner persönlichen Meinung nach – später auch Weltstar Kevin Spacey nur mit Mühe erreichte.
In der Politikanalyse war die Reihe ihrer Zeit, mindestens aber publizistischen Politikanalysen, weit voraus, wenngleich sie sich in den Rollenbildern an bereits Geschehenem orientierte. Richardson’s Frank Urquhart war eine Art männliches Ebenbild Maggie Thatchers. Nunja, Autor und Storyerfinder Michael Dobbs musste gar nichts erfinden, weil er selbst zu den handelnden Ungeheuern gehörte: „Westminster’s baby-faced hit man“ (Guardian).
Das heute täglich wiederkehrende Motiv von Politiker*inne*n: deine gefährlichste Konkurrenz sind die Leute in deiner unmittelbaren politische Nähe, die sog. “politischen Freund*inn*e*n”. Auf diese Weise war die damalige Ausstrahlung für mich eine mentale Vorbereitung auf die Arbeit für einen späteren zeitweiligen Spitzenpolitker der NRW-Grünen. Selbstverständlich wusste ich damals schon, auch ohne die TV-Serie, dass die Grünen nicht “die besseren Menschen” waren (und sind). Insofern wage ich Ihnen zu versichern: die britische Version von House Of Cards ersetzt mindestens ein Dutzend Unterrichtsstunden in Sozialkunde (achso: wird in NRW sowieso abgeschafft)-
Outing hinter Mauern
Mit #ActOut haben sich 185 Schauspieler*innen als nicht-heteronormativ selbst geoutet. Kein Zweifel: ein emanzipatorischer, selbstbefreiender Akt. Die PR-Strategie ist dagegen wenig emanzipatorisch, und vermutlich von einer oder mehreren Schauspieler*innen-Agenturen gesteuert. Denn sie haben einen Deal mit dem Magazin der SZ gemacht. Zwar gibt es eine eigene Homepage. Wer jedoch alle sehen will, die mitmachen, muss an der Paywall des SWMH-Konzerns, dem die SZ gehört, und der dort gerade Dutzende Redaktionsstellen streicht, seine Daten abliefern. Was deutsche Verlagskonzerne damit machen, hat kürzlich Markus Beckedahl für alle Dummen noch mal erklärt. So wichtig ist das dann heutzutage für Unsereinen auch nicht mehr …
Musikjournalismus-Killer
Dazu haben sich seit vielen Jahren die öffentlich-rechtlichen Medien entpuppt. Ihrem gesetzlichen Auftrag entspricht das nicht. Aber es haben sich jede Menge Unternehmensberatungen gefunden, die ihnen für teuer Geld solche missratenen Ratschläge verkauft haben. René Martens/taz zeichnet die jüngsten Entwicklungen dieser schon skandalös langen Geschichte nach.

Ein Kommentar

  1. Klaus Böttger

    Carolin Ströbele hat für Zeit-Online über #ActOut und vor allem die gesellschaftlich/industriellen Rahmenbedingungen dazu geschrieben und kommentiert. Das gibt inhaltlich weit mehr preis, als die Webseite der Aktion und vor allem auch das SZ-Magazin, weil (noch?) ohne Paywall: https://www.zeit.de/kultur/film/2021-02/coming-out-schauspieler-sz-magazin-actout-homosexualitaet/komplettansicht

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