Gute Beobachtungen: Kinder und Jugend in der Pandemie / Baerbock / Wirecard / Super League
Vorsicht: mein erster Tipp könnte Sie runterziehen. Und hindert Sie an der Ausrede, es “nicht gewusst/geahnt” zu haben. Das von mir während der gesamten Pandemiezeit hochgeschätzte 3sat-Magazin nano berichtete gestern über eine Studie „JuCo I und II“ (= “Jugend und Corona”), deren Ergebnisse nur als alarmierend gesehen werden können – auch wenn das Original von der unvermeidlichen Bertelsmann-Stiftung vermarktet wird. Es wäre eine gemeinnützige Aufgabe des Staates, solche Forschung zu betreiben. Das sieht der Bertelsmannkonzern bekanntlich anders. Am objektiven Tatbestand, einem sich auswachsenden Totalschaden, ändert das leider nichts.
Ich will den Schaden umgangssprachlich charakterisieren, was die Forscher*inne aus Seriositätsmotiven vermeiden: getötet wird der Sex, und zwar alles, was an ihm gut ist: die autonome Selbstentdeckung, die Entwicklung einer eigenständigen kulturellen Kontrolle über die sich verändernde Körperlichkeit, die Definition und Entwicklung individueller persönlicher Bedürfnisse und Entdeckung sozialkompatibler Wege zu ihrer Befriedigung. All das wurde früher “Jugend” genannt, und wird zahlreichen Jahrgängen gegenwärtig durch die Pandemie und die Pandemiepolitik gestohlen. Verheerend. Darum ist der Impuls dieser Studie, auch wenn sie von Bertelsmann kommt, wertvoll und gehört ganz oben auf die Agenda der Politik. Ein vergeblicher Wunsch? Nein, so eine Ausrede ist mir zu billig.
Baerbock
Dietrich Leder hat früher mehr geschrieben. Jetzt hat er noch ein Exil bei der Medienkorrespondenz. In meinen Augen einer der politischsten und kenntnisreichsten TV-Kritiker deutscher Sprache. Hier seine Beobachtungen der letzten Tage. Und ergänzend dazu die von Küppi.
Die Grünen werden erleben, dass nicht nur ganz rechts bei der FAZ, sondern auch in den öffentlichen Medien in den nächsten Monaten Wahlkampfbeton angerührt wird. Endzeitstimmung wird sich in den Häusern ausbreiten. Sie ist schon am schmerzfreien Verschmähen des “Klima vor 8” wie auch des Weggebens von Baerbock an Pro7 erkennbar. Die alten “schwarzen” und “roten” Freundeskreise in den Senderaufsichtsgremien werden Wagenburgen, zur Not auch gemeinsam, gegen die aufziehende “grüne Gefahr” bilden. Völlig grundlos: denn eine aggressive Grüne Medienpolitik gibt es nicht. Da ist ein Nichts. Die Schwarzen und Roten projizieren auf sie lediglich das, was sie in vergleichbarer Lage tun würden. Die Grünen dagegen repräsentieren “die neue Zeit” (Baerbock), und die bedeutet: schwache, intellektuell und strategisch abdankende Parteien. Das kann für Medienfreiheit gut sein, für die Gesellschaft insgesamt aber auch eine Gefahr: wie wird das Vakuum gefüllt? Und von wem?
Heute fällt auf, dass die Baerbock ihr Mann jetzt auch Eingang in Medien findet- Dass sie ihre Familie aus ihren PR-Strategien rausgehalten hat, hatte mich bisher beeindruckt, positiv. Vorbei. Die WAZ meint, er sehe aus “wie Jürgen Klopp” (Paywall). Alberner gehts wohl nicht. Aber zugegeben: eine bessere Werbephrase ist im Ruhrgebiet kaum denkbar. Ist das also gar nicht albern, sondern “professionell”, als Kontrast zum Laschetarmin?
Wirecard
Der Quell an aufklärerischem Journalismus von Michael Maier/Berliner Zeitung. Immer wieder verguckt sich der alte Mann in die starken, intelligenten, schönen Frauen, wie in diesem Fall Cansel Kiziltepe (SPD), vom Ruhrpott nach Berlin, ein bedauernswerter Lebenslauf. Ich bin geneigt, ihm das nicht nur zu verzeihen, sondern zu danken. Mann gönnt sich ja sonst nichts.
Super League schon wieder tot?
Klassisches Nebelkerzen-Feuerwerk. Verarscht fühlen darf sich vielleicht JP Morgan, womit es zweifellos Richtige träfe. Am meisten verarscht bleiben aller alle, die an das Gute im Sport und im Fussball glauben. Denn im Schatten der Super-League-Nebelkerze hat die Uefa den sportlichen Wettbewerb in ihrer Geldwaschanlage Champions League weitgehend gekillt zugunsten der Planungssicherheit der grossen Tanker. Und nebenbei ist der deutsche Westfale Rummenigge anstelle des überschiessenden Italieners Agnelli in die entscheidende Exekutive der Uefa eingerückt – in der der DFB-Strppenzieher Rainer Koch, zuhause als “Amateurvertreter” gelabelt, mehr Lüge geht nicht, schon lange unbeachtet sitzt und sitzenbleibt. Im Kern ging es nicht um das “Ob” der hemmungslosen Bereicherung, sondern nur darum, wer wie viel abkriegt.
Die fettesten Tanker Real Madrid, FC Barcelona und Juventus Turin sind die Verlierer. Sie kriegten den Hals nicht voll genug, weil sie am meisten von einem massiven ökonomischen GAU bedroht sind. Wer wird den wohl bezahlen?