Die wankenden Männer Buhrow und Erdogan
Der nicht selten überforderte Intendant Tom Buhrow (WDR, und derzeit ARD-Vorsitz) hat der Verlagsgesellschaft der FAZ einen Gastbeitrag “Wo die ARD im Jahr 2030 steht” geliefert, den die FAZ prompt einmauerte. Hat der Intendant den Beitrag kostenfrei geliefert? Wie kann er dann in der Paywall landen? Oder wurde er honoriert? Zu welchen Vertragsbedingungen? Und warum hat sich der von ihm geführte WDR nicht vorbehalten, den Beitrag des von ihm bezahlten Intendanten in den eigenen Medien zu dokumentieren, als selbstverständliche Form der Rechenschaftslegung? Stattdessen nur ein Werbehinweis für die FAZ.
Ich kann ihnen zusammenfassen: Sie haben nicht viel verpasst. Buhrow rekapituliert die medientechnologischen Veränderungen der letzten Jahrzehnte und extrapoliert sie auf das, was er für die Zukunft hält. Das können Sie zur Not auch selbst. Nach meinem Eindruck soll der Beitrag der Legitimation zukünftiger Programmkürzungen und -verschlechterungen dienen. Buhrow bleibt in seiner Projektion weit hinter der strategischen Weisheit seiner Vorgänger*in im ARD-Vorsitz, Ulrich Wilhelm (Bayr. Rundfunk) und Karola Wille (MDR), beides Sender mit CSU-Gründungsgeschichte, zurück. Was sagt uns das, hier im Westen?
Zu einem konstruktiven Vorschlag scheint Buhrow dagegen noch keine fundierte Stellungnahme gelungen. Die Initiative Klima vor 8 hat einen Offenen Brief an ihn als ARD-Vorsitzenden gerichtet, den Sie mitunterzeichnen können. Peter Grassmann/telepolis und Stefan Niggemeier/uebermedien berichten und kommentieren sympathisierend. Die ARD präsentiert sich zu dem nicht mehr so tagesfrischen Vorschlag ungefähr so, wie die Ministerpräsident*inn*en und die Kanzlerin in der Pandemiebekämpfung. Denken Sie sich selbst passende Begriffe dazu aus.
Erdogans Wanken
Lesen Sie ergänzend zu gestern die Analyse von Tomasz Konicz/telepolis, weitsichtiger und weniger ideologisch vernagelt als die FAZ gestern, und mit den entscheidenden offenen Fragen an die deutsche Aussenpolitik.