Und: die Dialektik der “Frauenförderung” in der Schwarz-Gruppe (Lidl)
Pödelwitz – das scheint ungefähr so auszusehen, wie es heisst. Beim heutigen DLF-Wochenendjournal (Audio 47 min) fühlte ich mich an meinen Besuch einer Freundin im Osten von Berlin erinnert. Sie engagierte sich in einem Sozial- und Wohnprojekt auf einem verlassenen Kasernengelände. Ich fuhr mit der S-Bahn bis Strausberg, und dann nochmal lange mit dem Bus, der laut seinem Fahrplan ganz lange nicht wieder zurück fuhr. Die Kasernengebäude waren mitten in der Sanierung, sanitäre Anlagen waren noch nicht fertig. Dafür gabs im Wald einen “Donnerbalken”. Gegenüber der Bushaltestelle, wurde mir damals erläutert, gab es eine mit Erde notdürftig bedeckte alte DDR-Müllkippe. Lecker.
Das sind jedoch nur meine subjektiven Assoziationen, die davon kommen, dass ich Zeit meines Lebens Grossstadtkind bin – und bleiben will. Was Manuel Waltz heute morgen aus Pödelwitz berichtete, ist ein kleiner Sieg gegen die Braunkohlelobby. Und ein grosser emanzipatorischer Erfolg der Menschen, die Pödelwitz vor ihr gerettet haben. Was sie Waltz ins Mikrofon sprechen, spricht dafür, dass sie so jung sind, wie ich mal war, und ihren eigenen Lebensweg recht ehrgeizig suchen, Es sind solche Menschen, nicht wenige aus der Grossstadt Leipzig, die die soziale Basis der Klimabewegung bilden. Diejenigen, die die menschengemachte Klimakatastrophe verhindern müssen. Und können. Aber so leben wie sie, in Pödelwitz, das möchte ich nicht. Muss auch nicht sein, um unsere gemeinsamen politischen Ziele zu erreichen. Jede’ Jeck is’ anders.
Ein kontrastreiches Licht zum gleichen Thema setzte zwei Stunden später DLF-Niederlande-Korrespondentin Kerstin Schweighöfer mit “Wasser von allen Seiten: Rotterdam trotzt dem Klimawandel” (Audio 54 min). Eine Stadt, die zweifellos eine Reise wert ist. Und ihr Feature das Hören.
“Frauenforderung”
Wenn sich zwei alte weisse Männer, einer Ü70, einer Ü80, temperamentvoll “spontan” zerstreiten – woran mag das wohl liegen? Das ist nicht schwer zu recherchieren, aber zu brisant es in anzeigenwerbungsabhängigen Medien zu schreiben. Geben Sie in Ihre Suchmaschine “Schwarz Gruppe Frauenförderung” ein. Sie werden feststellen, dass der Ü70-Herr zielstrebig Frauen “gefördert” hat, die zufällig alle deutlich jünger als 40, gerne auch jünger als 30 sind. Ich kenne niemanden der Beteiligten, kann also auch U30-jährigen kein Talent und keine Begabung absprechen. Ich kann jedoch aus eigener Erfahrung bezeugen, dass auch Frauen über 40 und älter ausserordentlich befähigte Führungskräfte sein können. Wechseljahre töten Begabungen und Talente nicht, nicht selten sogar im Gegenteil. Da gibt es in der Schwaz-Gruppe wohl noch Weiterbildungsbedarf, mindestens für die alten weissen Männer.
Vertraut war ich mit der Frauenförderung im WDR. Intendant Fritz Pleitgen war so einer, der sie planmässig und strategisch betrieb, ohne viel Wind darum zu machen. Seine Waffe war sein Charme. Das genoss er – so weit ich weiss, ohne übergriffig zu werden. Das gelang jedoch bei weitem nicht allen männlichen Führungskräften. Damals (1997-03) wurde das noch kein #metoo-Skandal. Die Herren wurden versetzt, wie wir es bis heute von der Katholischen Kirche kennen. Ich kannte selbstverständlich nur den Flurfunk, erkannte für mich als ehrenamtliches stellv. Rundfunkratsmitglied keine Handlungsoption. Das wäre heute anders = Fortschritt. In einem Einzelfall einer von einem alkoholabhängigen Vorgesetzten bedrohten Kollegin konnte ich helfen: ich vermittelte sie zu einer professionellen Beraterin, die ihr helfen konnte sich selbst zu wehren, nach meiner Kenntnis erfolgreich (in ihrem Einzelfall). Heute könnte sie diese Beratung auch im Hause selbst finden. Nicht viel, aber immerhin.