Die Suche nach einem Beitrag zu Somaliland – unten: keine Mediathekperlen
Warum hasse ich den WDR – und liebe den DLF? Die Homepage des WDR ist bunt mit vielen Bildern; die des DLF sieht langweilig aus, mit vielen Buchstaben. Beim WDR finde ich nichts, was ich suche; beim DLF das meiste. Ich bin mit einem Designprofessor gut befreundet, der Ihnen gerne Vorlesungen hält, warum Benutzerfreundlichkeit und Design keine Gegensätze sind, nicht sein dürfen.
Heute morgen nach dem Wachwerden hatte ich auf die Diskussionsgäste des DLF keine Lust. In solchen Fällen schalte ich aus alter Gewohnheit auf WDR Cosmo um, weil ich dort akzeptable Musik erwarte. Obwohl: das ist schon Jahre her, als es noch “Funkhaus Europa” hiess. Musikalisch ist seine Welt danach nicht dem neuen Namen entsprechend grösser sondern miniaturisiert worden: nach diversen Programmreformen wie überall nur noch eine minimale Playlist ohne jede musikjournalistische Begleitung. Die einzige hörbare WDR-Welle ist also ihrer einstigen Originalität beraubt. Heute morgen elektrisierte mich jedoch ein Wortbeitrag. Die Moderatorin interviewte einen Reisejournalisten, der nicht anerkannte Länder und Staaten bereist, und z.B. kurz vor der Corona-Pandemie in Somaliland war. Eine Freundin von mir hatte einen somalischen Vater – ich hätte sie gerne auf dieses Interview hingewiesen. Nun suchen Sie es mal (gesendet heute zwischen 10 und 11)! Mit dem Suchwort “Somaliland” finden Sie im kompletten WDR-Land einen Treffer: einen Zeitzeichen-Beitrag von 2017, der einen Vorgang von 1952 behandelt. Allein in diesem Extradienst finden Sie zu Somaliland immerhin 8 Treffer. Geht der WDR sich nun schämen?
Beim DLF steuere ich in solchen Fällen die Programm-Vor- und Rückschau an, suche dort die entsprechende gehörte Sendung auf, und finde in ihrer Podcast-Liste die gesendeten Beiträge. Dauert weniger als eine Minute. Viele Beiträge sind ausserdem nachlesbar, was in meinem Lesetempo ca. 80% Zeitersparnis bedeutet. Ein Medium ist dazu da, mir was zu geben, und nicht zu stehlen, meine Zeit z.B. Darum sind asoziale Netzwerke oder auch Talkshows für mich keine Option.
Keine Mediathekperlen
Das ZDF sendet heute um 22.15 h “Bombshell”. Inhaltlich geht es um die #metoo-Skandale beim US-TV-Sender Fox, dem einstigen Lieblingssender Donald Trumps, und dem immer-noch-Lieblingssender seines Ex-Freundes Rupert Murdoch. Wobei die, die es miterlebt haben, den Film so kommentierten: “In Wirklichkeit war alles viel schlimmer”. Ein Mediathekangebot des ZDF zu diesem Film habe ich nicht gefunden.
Und erneute Schande über den WDR: er sendet heute “Shirins Hochzeit” – um 23.30 h! 1976 war dieser Film für mich ein Schlüsselerlebnis. Regisseurin Helma Sanders-Brahms hat als Ansagerin beim WDR-Dritten ihre Karriere gestartet, und wurde eine superstarke politische Filmemacherin. 2014 ist sie gestorben. Und mit ihren Erben war keine Mediathekvereinbarung möglich? Geht es noch ärmer?
Eine Chance haben ZDF und WDR noch: wenn sie die Filme wenigstens nach ihrer Ausstrahlung online stellen. In dem Fall werde ich hier die Links nachliefern.

Über den/die Autor*in: Martin Böttger

Martin Böttger ist seit 2014 Herausgeber des Beueler-Extradienst. Sein Lebenslauf findet sich hier...
Sie können dem Autor auch via Fediverse folgen unter: @martin.boettger@extradienst.net