Korrekturen falscher Bilder: Amoktäter, SUVs, Nazis, Ultras, Facebook, Streamingserien
Seinen pessimistisch grundierten, mutmasslich altersbedingten, Fatalismus teile ich nicht. Im Gegenteil geht er mir oft auf den Zeiger. Trotzdem ist Götz Eisenberg immer wieder lesenswert. Denn er kämpft gegen das falsche Muster an, dass unsere Gesellschaft immer alles Böse und Schlechte abspalten will. Als sei es etwas fremdes, und nicht direkt von ihr selbst, Das kontert der langjährige Gefängnispsychologe sehr gut.
Auf andere, noch weit beunruhigendere Weise tut das Thomas Moser/telepolis. Er zieht ein kompaktes Zwischenfazit der NSU-Mordserie, deren strukturelle Hintergründe von den Ermittlungs- und “Sicherheits”-Behörden planmässig vertuscht, und damit noch verschlimmert wurde. Wenn mann es wie ich positiv mit diesen Waschlappen und Hintermännern meint, dann sind sie beim Vertuschen einer selbstgemachten Pannenserie erneut über ihre eigenen Beine und Taten gestolpert und haben eine heillose Katastrophe angerichtet. Als Drehbuch von “Police Academy” wäre das wg. übertriebenen Klamauks abgelehnt worden; vielleicht wüsste irgendein bekloppter Österreicher noch eine filmische Lösung, die wissen ja über Faschismus gut Bescheid.
Wie gesagt, das ist noch die freundlichste aller denkbaren Hypothesen, die seit 2001 “Verschwörungstheorie” genannt werden. Ernsthaft dürfte ein Grund für das “Funktionieren” dieser demokratiegefährdenden Behörden und Institutionen sein, dass ihre Geschichte im deutschen Faschismus nie aufgearbeitet, und nach unserer Befreiung vom Faschismus durch die Alliierten ihr Verhältnis zu selbigem nie politisch definiert wurden, und zwar absichtsvoll.
Ein unschönes aktuelles Indiz ist diese Polizei-Berichterstattung über eine Fussballfanrandale gestern in Essen. Ich habe diese Leute schon selbst gesehen, ebenfalls bei einer Platzstürmung, Es war das Mittelrheinpokalfinale am 29. Mai 2013 im Bonner Sportpark Nord, das Fortuna Köln mit 2:1 gegen Alemannia Aachen gewann. Zur Freude meines Freundes Wolfgang Grenz, Fortuna-Fan, der seinerzeit glücklich den Generalssekretärsjob von Amnesty International abgab. Damals war bereits bekannt, dass die rechtsradikale “Karlsbande” die “Macht” in der Aachener Ultraszene erobert hatte (die Mehrheit der “Ultras” ist hierzulande, wenn nicht immer vernünftig, aber definitiv antifaschistisch). Die Heimatstadt Armin Laschets und auch die Alemannia guckten gleichgültig zu, und förderten damit das Unheil, das andauert. Politisches Kennzeichen dieses Zuguckens ist, dass Links- und Rechtsradikale sowieso gleich seien, und es deswegen kein Schaden wäre, wenn sie sich gegenseitig die Fresse einhauen. Wenn das die Lehre der Deutschen aus ihrem eigenen Faschismus ist, dann kommt so ein NSU-Skandal unten raus.
Und jetzt das Positive
Harald Staun, Medienressortchef der FAS, darf mal so richtig ausholen, und macht das gut. Die Facebook-Whistleblowerin Haugen wird selbstverständlich umfangreich anwaltlich und PR-strategisch betreut. Ohne das würde sie wahrscheinlich in den USA schnell “zufällig” auf der Strasse erschossen – obwohl sie weiss ist. Solls geben. Und weil die FAZ an ihren Deals nicht beteiligt ist, sondern die Konkurrenz von der SZ (alles in der Paywall), darf Kollege Staun mal gründlich erklären, wie solche Deals laufen und funktionieren. Ich fasse es so zusammen: auch bei den vermeintlich Guten gilt das urkapitalistische Prinzip, die Ware Information zu verknappen, damit ihren Preis hochzuhalten und den Profit zu maximieren. Demokratische Transparenz ist was anderes. Und dieser Widerstand gegen Facebook ist auch nur ein Geschäft. Ich hoffe dennoch in diesem Fall, dass es ein Gutes wird. Wenn Zuckerberg und sein Regime nicht gestoppt werden, dann wäre die Klimakatastrophe vielleicht doch die beste Lösung (ich bin 64!).
Solange wir noch Leben, besteht Hoffnung auf gute Unterhaltung. Oliver Jungen/FAZ berichtet ausführlich über das Filmfestival Cologne, eine der besten Spuren, die der Halb-Berliner Hachmeister hier im Westen hinterlassen hat.