Es gibt linke Medien, die finden den russischen RT-Medienkonzern schon deswegen gut, weil er “anders” als die hiesigen herrschenden Medien arbeitet und berichtet. Diese Erkenntnis ist jedoch nicht hinreichend, um Vertrauen zu entwickeln. Sie ist lediglich Ausweis der Tatsache, dass sich die Betreffenden von binärem Denken und entsprechenden Weltbildern so wenig trennen wollen, wie die, die sie als Gegner*innen bekämpfen. Es gibt linke Beispiele, die mehr aus der Geschichte lernen.
Medien
Ich begrüsse es darum geradezu enthusiastisch, dass sich die Wissenschaftler Marcel Bois und Uwe Sonnenberg bei Jacobin.de der Willi-Münzenberg-Forschung zugewandt haben. Niemand weiss, ob der Kerl heute auch Kommunist wäre.
In meinen naiven jungen Jahren zu Beginn der 80er hatte ich zeitweise angenommen, Hermann L. Gremliza könnte zu einer ähnlichen Figur heranwachsen, als er mit Manfred Bissinger nicht nur Konkret ausweitete, sondern zu Beginn der 90er in Kooperation mit Elefantenpress ein echtes Netzwerk mit der damals noch ungespaltenen Jungen Welt, Titanic, Deutsche Volkszeitung (als Vorläuferin des Freitag) hätte entstehen können. Eine Ausweitung in den audiovisuellen Bereich (z.B. mit DT 64, Kanal 4, Alexander Kluges dctp – Letzterer war betriebswirtschaftlich von allen am besten beraten, u.v.a.) wäre fällig gewesen. Die Potenziale in der Ex-DDR hat es alle mal gegeben. Aber deutsche Linke finden das Rechthaben wichtiger als das politisch wirksam werden. Gremliza hatte am Ende wohl Angst, dabei ausgesaugt zu werden und pleite zu gehen. Ausserdem kippte er in bitteren prozionistischen Bellizismus um. In Deutschland verzeihlich, aber nicht klug, wie Andreas Zumach bezeugen kann.
Söldner
Ein Spaltprodukt der Jungen Welt wurde die Wochenzeitung Jungle World, die linkszionistische Fraktion. Wenn ich die proisraelische Schlagseite mancher Autor*inn*en ausblende, ist sie fast jede Woche die intellektuell interessanteste aller deutschsprachigen Wochenzeitungen. Immerhin gibt es dort in allen anderen weltpolitischen Konfliktlagen ein reiferes Dialektikverständnis, als bei den möglichen Konkurrent*inn*en. So auch zu Russland. Ute Weinmann beschreibt die Expansionsstrategie des russischen Wagner-Konzerns, dessen Verbrechen nicht dadurch geringfügiger werden, dass er sie billiger als seine westlichen Pendants erledigt.

Über den/die Autor*in: Martin Böttger

Martin Böttger ist seit 2014 Herausgeber des Beueler-Extradienst. Sein Lebenslauf findet sich hier...
Sie können dem Autor auch via Fediverse folgen unter: @martin.boettger@extradienst.net