Weinstein, ukrainisches Grubenwasser und weitere Mediathekperlen
Nun schon drei Jahre alt, aber weiter hochaktuell geblieben, ist eine von der BBC koproduzierte Dokumentation über den gefallenen Filmproduzenten Harvey Weinstein, die 3sat gestern ausstrahlte und bis 11. März in der Mediathek verfügbar ist. Vieles wird ausgeleuchtet. Der Mann fand sich selbst hässlich (ich würde ihm zustimmen) und zerstörte das Leben zahlreicher junger Frauen. Um das zu stoppen, entschlossen sich einige seiner Opfer, öffentlich zu sprechen. Sie fanden leistungsstarke Bündnispartner*innen in der Medienbranche.
Kann gut sein, dass die Lawine gegen Weinstein ins Rollen kam, weil mächtige Kräfte einen lästigen Konkurrenten aus dem Weg räumen wollten. Tatsächlich aber entstand ein weit grösserer gesellschaftlicher Tsunami, eine Welle, die erst an ihrem Anfang steht: die globale #metoo-Bewegung, die den Gewaltopfern eine Stimme gibt. Ein mit den Filmer*inne*n zusammenarbeitender Investigativjournalist sagt: “Es gibt in jeder Branche einen ‘Weinstein’.” Das ist stark untertrieben. Es gibt Millionen Weinsteins. Doch immer mehr von ihnen verlässt jetzt ihr Herrschaftsglück. Dieser Prozess benötigt viele Generationen, bis er die Welt umspannt. Wir sehen nur den wichtigen Anfang davon. Viele Männer werden Weinstein dafür verfluchen. Mitleid hat er nicht verdient.
Ewigkeitskosten in der Ukraine
Rebecca Barh war für DLF-Kultur auf der Westseite der innerukrainischen Frontlinie unterwegs. Die Geologie und Ökologie interessiert dieser Frontlinienverlauf nicht. Barhs Reportage offenbart eindrücklich, welche Gefahren drohen, wenn staatliche Infrastrukturen zusammenbrechen. Das passiert in jedem Krieg. Hierzulande gibt es ein kompliziertes Kapitalgeflecht, dass sich nach dem offiziellen Ende des Bergbaus um die Ewigkeitskosten kümmern muss. In der Ukraine ist der Bergbau nicht beendet, sondern säuft bei laufendem Betrieb ab.
Das führt auch ohne militärischen Einmarsch zu einer grössten anzunehmenden Katastrophe. Grosse Regionen im Osten werden so unbewohnbar, wie es die Tschernobyl-Region schon ist: das Trinkwasser wird vergiftet.
Nebenbei ist zu erkennen, dass die Separatist*inn*en in der Ostukraine auch nur Schachfiguren sind. Denn sie werden, wenn sie bleiben wo sie sind, als erste abkratzen. Und alle Oligarchen werden weit weg sein. In London z.B. (Audio 5 min)
WDR bleibt in vergifteter Unruhe
Mediathekperlen aus dem WDR habe ich schon lange keine mehr entdeckt, wenn ich mal von unserem Freund Hans Conrad Zander absehe. Vielleicht liegt es auch an meiner Hassliebe. Die teile ich offensichtlich mit vielen WDR-Beschäftigten, wie René Martens/taz berichtet. Die debattenauslösende Erstveröffentlichung des Problems durch Leonhard Dobusch/netzpolitik hier.
Alina Schwermer/taz hat eine Perle entdeckt. Hier der Link dazu. Es ist nicht alles schlecht.
Grundnahrungsmittel für Mediathekperlen: Chips
Ich gestehe, ich bin davon abhängig. Die weniger fetten mit “Sweet Chili” und “Red Pepper” sind in meinem Edeka immer weit schneller alle als das Klopapier. Friedrich Küppersbusch hat das Problem mal richtig strategisch analysiert (Video 4 min). Und mir damit den Start in den Tag erleichtert.

Über den/die Autor*in: Martin Böttger

Martin Böttger ist seit 2014 Herausgeber des Beueler-Extradienst. Sein Lebenslauf findet sich hier...
Sie können dem Autor auch via Fediverse folgen unter: @martin.boettger@extradienst.net