Wüst, Windsor, Kunst-Glashäuser und Elbtower – überall Geldwaschmaschinen
Viele meiner Freund*inne*n haben sich eine Mediendiät verordnet. Sie wollen sich nicht von krankmachender Stimmung infizieren lassen. Aus gesundheitlichen Gründen der Selbsterhaltung ist das nicht abwegig. Für eine Demokratie ist es ein Alarmzeichen.
Ich habe zuhause nur 13 öffentlich-rechtliche TV-Sender. Gestern sendeten sie ein Hendrik-Wüst-Einheizprogramm, dem Xi Jinping und Wladimir Putin ihren Respekt kaum versagen können. Als ich mich im Freundeskreis darüber beklagte, lachten die mich aus. Sie sind schon längst auf Diät.
Der Herr Wüst, das wissen viele nicht, weil sie ihn gar nicht kennen, will im Mai als NRW-Ministerpräsident (wieder-)gewählt werden, vom Wahlvolk erstmals. Seine Partei, die CDU, will es so. Zufällig wurde er, als wäre es ihm regelrecht aufgedrängt worden oder zumindest beiläufig in den Schoss gefallen, Vorsitzender der Ministerpräsident*inn*enkonferenz. Er sitzt also nach jedem Corona-Gipfel neben dem Kanzler im Bild, und wird von servilen Redaktionen mit zahllosen Interviewanfragen unhuscht, auf dass sein Gesicht bekannter werde. Wenn nur welche zugucken.
Was noch weniger wissen, als ihn kennen, ist, dass er 2017-2021 NRW-Landesverkehrsminister war. Weitgehend unbemerkt. Im Zusammenhang mit der umfallenden Lärmschutzwand, die auf einer Kölner Autobahn eine Frau erschlug, wollte er lieber nicht gesehen werden. In Zusammenhang mit den zahllosen maroden Brücken in NRW auch nicht. Leverkusen? Gibt es nicht. Sauerlandlinie? Ist ja erst nach seiner Amtszeit gesperrt worden. Bahnbrücken? Hat NRW eine Eisenbahn? Und die Probleme? Nein, der Herr Wüst hatte andere Probleme zu lösen, als den Verkehr in NRW.
Das in öffentlichen Medien aufzuarbeiten und zu analysieren würde Arbeit machen. Arbeit ist teuer. Mann und Frau nennt es Journalismus. Aber was nützt das ganze teure Arbeiten, wenn es hinterher nur Ärger dafür gibt. Braucht mann das? Jetzt, in dieser Krisenzeit?
Dann lieber Mediendiät.
Karl Kraus
Michael Maier/Berliner Zeitung empfiehlt in dieser Zeit mehr Karl Kraus zu lesen. Da stimme ich ihm laut und deutlich zu. Nur in einem Punkt, gegen Ende seines Textes, will ich seinem Zungenschlag widersprechen. Anknüpfend an das Kraus-Zitat, eine “Depesche (sei) ein Kriegsmittel wie eine Granate“, meint Maier: “Die Depeschen von heute aber sind Algorithmen, die den Welthandel steuern.”
Algorithmen fallen nicht vom Himmel, sind nicht von “jenem höheren Wesen, das wir verehren”, sondern von Menschen ausgedacht und programmiert. Es ist nicht hinnehmbar, dass “die Politik” und die was-mit-Medien-Branche demgegenüber Ohnmacht behaupten. Wer die empfindet, sollte sofort zurücktreten, und Platz für solche machen, die das einer demokratischen öffentlichen Kontrolle unterwerfen wollen. Wie das geht? Lesen hilft! Hier oder hier oder hier – das sind nur Beispiele.
Sturm im Berliner Kunst-Glashaus
Dank Helmut Lorscheid haben wir hier und hier über das Unwesen berichtet, das der leider immer wieder unserer Stadt zugeordnete Herr Smerling in der Kunstszene treibt, immer im Bunde mit Leuten, die vor Kapital kaum laufen können.
Perlentaucher-Autor Peter Truschner, der sich “Fotolot” nennt, hat nun auf der “Gegenseite” ebensolches Personal identifiziert. Ein sympathischeres Porträt hier (Laura Ewert über Zoë Claire Miller). Kennen Sie nicht? Ich auch nicht. Berlin ist weit weg. Und der “Kunstmarkt” vom Rest der Gesellschaft ebenso. Dennoch ist er mehr, als ein umfallender Sack Reis: eine grosse Geldwaschmaschine (von Truschner gut erklärt). Geldwäsche ist kriminell.
Benko: er verschont Bonn und zerstört stattdessen Hamburg
A propos Geldwäsche. Unser Bundeskanzler versteht da was von. Wenn er es nicht schnell wieder vergisst. Olaf ist ein vorsichtiger Mann. Sehr vorsichtig. Aber das war er nicht immer. Gegen René Benko hatte er offensichtlich keine Allergie, im Gegenteil. Wie bei Warburg, wie bei Wirecard, glaubte er auch in diesem Fall, was jeder Sozialdemokrat von Kindesbeinen an gelernt hat: Geld stinkt nicht. Es kommt immer drauf an, wer es hat. Und wer welches kriegt. So funktioniert Sozialpartnerschaft. Und so entstehen heute nutzlose Hochhäuser. Wer hat den … äh … das Längste?
Die Windsors werden knapp gehalten
Der arme Andy Windsor. Kann der das überhaupt bezahlen? Oder muss Mama Lisbett dem armen Jungen mal wieder unter die Arme greifen? Besser isses, bevor seine Arme wieder gewälttätige Verbrechen begehen. So kommt zutage, dass die Windsors gar nicht so reich sind, wie immer alle denken. Das bisschen Waffenhandel, die knapp bemessenen Häuschen und Ländereien. Das bringt doch heute alles kaum noch was ein. Und was das kostet! Herr Benko, wär’ das nichts für Sie? Den Clan mal gründlich zu beraten?

Über den/die Autor*in: Martin Böttger

Martin Böttger ist seit 2014 Herausgeber des Beueler-Extradienst. Sein Lebenslauf findet sich hier...
Sie können dem Autor auch via Fediverse folgen unter: @martin.boettger@extradienst.net