“ZU spät” sei UN-Generalsekretär António Guterres nach Kiew und Moskau gereist, meint Andreas Zumach in “Begrenzte Rolle”. Zu spät, um den Beginn des Krieges zu verhindern. Um ihn zu beenden, ist es nie zu spät. Dass Waffenlieferungen sein Ende beschleunigen, meinen die, die glauben, er sei militärisch zu gewinnen. Alle andern können nur auf Gespräche, Verhandlungen, Diplomatie – üblicherweise zusammengefasst unter dem Begriff “Politik” – setzen und hoffen.

Vor 50 Jahren war es in der West-BRD deutliche Mehrheitsmeinung, dass es in Deutschland nie wieder Krieg geben dürfe. Damals wurde eine Bundestagswahl noch mit Aussenpolitik gewonnen. Von der SPD. Höher als je zuvor oder danach. An den entscheidenden Tagen 1972, vor heute genau 50 Jahren, war ich zum ersten Mal in meinem Leben in Bonn: “Vor 50 Jahren am Metropol-Kino”. 1976 zum Zivildienst blieb ich dann, wie ich noch nicht wissen konnte, für immer.

Es gibt eine neue Studie der Otto Brenner Stiftung: “Stumme Migranten, laute Politik, gespaltene Medien”. Ich bin voller Respekt vor der Lebensleistung meines Studienfreundes Jupp (Hans-Josef) Legrand. Er hatte bei der IG Metall zunächst als Referent des Hauptvorstandes begonnen, bevor er bei der Stiftung offensichtlich seine Berufung gefunden hat. “Juppi” ist ein Schnellversteher von Diskursen, er ist schon vom Fussball her ein Teamspieler. Die zahlreichen Veröffentlichungen und Studien, die er initiiert hat, waren nie auf vordergründige Boulevardeffekte und polemische Schaumschlägerei ausgelegt, sondern als gründliche und qualifizierte gesellschaftliche Intervention. Das ist wohltuend, selten, wertvoll.

Heiner Jüttner greift ein Thema auf, das eigentlich als Wahlkampfthema der CDU-NRW gedacht war, aber jetzt in der öffentlichen Wahrnehmung etwas untergeht. Das heisst nicht, dass das dahinterstehende Problem weg ist: “Klandestine Clans”. Die gibt es wirklich. Der Sachverhalt ist allerdings im wahren Leben weit komplexer, als dass er für vordergründige Kampagnen instrumentalisiert werden kann und soll. Wer Heiner Jüttner liest, versteht, was ich meine.

Morgen soll – was das Wetter betrifft – im Rheinland der schönste Tag der Woche sein. Noch schöner wäre, wenn die Nachrichten des Tages dazu passen.

Freundliche Grüße
Martin Böttger

Über den/die Autor*in: Martin Böttger

Martin Böttger ist seit 2014 Herausgeber des Beueler-Extradienst. Sein Lebenslauf findet sich hier...
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