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Jetzt vierte Impfung!

Corona-Karl hat recht

Selten habe ich einen Hinweis aus der Politik so schnell befolgt wie den von Gesundheitsminister Lauterbach, sich nun zum vierten Mal gegen Corona impfen zu lassen – weil das schützt bzw. mögliche Krankheitsverläufe abmildert. Traurig ist, dass ein fachkompetenter Bundesgesundheitsminister kaum mehr andere Mittel hat, Gebote der Vernunft im Umgang mit Corona durchzusetzen als durch Hinweise in Zeitungsinterviews.

Wir laufen gerade in eine Sommerwelle, aber der zweite Schutzwall gegen Corona, den wir haben, die bewährten AHA-Regeln, sind weitgehend nur noch Privatsache. Danke FDP! Der große Liberale Gerhart Baum hat das Kind beim Namen genannt, als er seiner Partei vorwarf, Corona-Populismus zu betreiben.

Genauer gesagt sehe ich hier einen populistischen “Ich-will”-Rebellismus am Werk, der auf den Affekt gegen jedwede Regeln setzt. Ein solcher Rebellismus ist der jüngere Bruder des populistischen “Du-musst”-Autoritarismus. Der hat nämlich das spiegelbildliche Problem: Statt die eigenen Impulse rebellisch absolut zu setzen und das Ganze dann Freiheit zu nennen, setzt er die Freiheit der Anderen gleich Null, um sich in dieser Weise das Gefühl eigener Machtvollkommenheit zu verschaffen. Merke: Die Affekte von Rebellen und Autoritären speisen sich mitunter aus derselben Quelle: dem Streben nach eigener Machtvollkommenheit.

Das zeigt z.B. auch die 180-Grad-Wende, die die AfD 2020 in ihrer Coronapolitik vollzogen hat. Wollte sie sich anfangs mit immer härteren Forderungen beim Schutz vor Corona gegenüber allen Konkurrenten profilieren, wechselte sie bald auf die Trump/Johnson-Linie eines wohlfeilen Rebellentums: The Party must go on!

Irgendwo in der Mitte zwischen Rebellismus und Autoritarismus wäre die vernünftige Liberalität zu suchen, nämlich eine Freiheit, die auch den Schutz und die Sicherheit der Anderen mitbedenkt. Wenn die Bundespolitik aus bekannten Gründen eine solche Linie gegenwärtig nur noch mit Worten und via Lauterbach-Interviews und nicht mehr qua Ordnungspolitik verfolgen kann, dann sollte man zumindest die richtigen Worte finden für die Corona-Welle finden, die uns gerade erreicht. Mein kleiner Beitrag zum Populismus: Man könnte bei Corona einen Brauch der Meteorologen übernehmen, die ja die wechselnden Hochs und Tiefs mit Vornamen belegen. Wie wäre es z.B. mit Christian-Welle für das gegenwärtige Pandemiegeschehen? Oder Marco-Inzidenz? Oder Wolfgang-Quote bei der Hospitalisierung?

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Über den/die Autor*in: Reinhard Olschanski (Gastautor)

Geboren 1960, Studium der Philosophie, Musik, Politik und Germanistik in Berlin, Frankfurt und Urbino (Italien). Promotion zum Dr. phil. bei Axel Honneth. Diverse Lehrtätigkeiten. Langjährige Tätigkeit als Wissenschaftlicher Mitarbeiter und Referent im Bundestag, im Landtag NRW und im Staatsministerium Baden-Württemberg. Zahlreiche Veröffentlichungen zu Politik, Philosophie, Musik und Kultur. Mehr über und von Reinhard Olschanski finden sie auf seiner Homepage.

Ein Kommentar

  1. Helmut Lorscheid

    Wenn die ersten drei Impfungen – mit denen mich mir den linken Arm runiert habe – nicht ausreichen, warum soll es eine vierte. Für mich ist der Spuk mit der dritten zu Ende. Nichts mehr. Auf gar keinen Fall.

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