Journalist*inn*en sind keine guten Politiker*innen. Die Älteren und noch Älteren erinnern sich an den Bundestagsabgeordneten Rudolf Augstein. 1972 – drei Monate haben er und die FDP das ausgehalten. War Günter Gaus einen Gegenbeispiel? Zweifellos klüger als Augstein. Aber er war nicht Politiker, sondern Berater und Diplomat. Und am allerbesten eben doch als Journalist, ein denkender dazu. Allzu selten kommt das noch zusammen. Es gibt gute Gründe, die Verschiedenheit der Rollen zu respektieren. Die es nicht tun, werden durch Erfahrungen gestraft. Das vorweg, um nun hierauf zu kommen.

Wieder stellt sich für Sie das Paywall-Problem. Es wäre sicher auch privat für Sie kein Schaden, persönliche Bekanntschaft mit einer*m der 9,6 Mio. Abonnent*inn*en zu schliessen. Kennen Sie ein deutsches Medium mit so einer Abo-Kurve? Woran das wohl liegt?

Für die Anderen rate ich zu Michael Maier, Herausgeber der Berliner Zeitung, quasi so ein Abonnent, der zusätzlich die Grosszügigkeit besitzt, grosse Teile ins Deutsche übersetzen und zu referieren zu lassen. Der macht das beruflich. Viele Andere auch. Doch für viele dieser Hauptstadtfuzzis ist Maier mit seiner häufig abweichenden Meinung eher ein journalistischer Desperado. So wie auch das knappe Dutzend deutscher Verlagsmilliardär*inn*e*n seine Verleger*in, das Ehepaar Friedrich, als Gesetzlose ansieht.

Was juckt uns das als Leser*in? Mich nicht. Zumal Maier nicht selten mit Leuten redet, die für die Hauptstadtblase schon was ausssätziges sind. China-Versteher z.B.. Und siehe, hier erfahren wir Details, die wir noch nicht wussten: gewaltige Instabilitäten, die allzu schnell in gefährliche Aggression umschlagen können.

Israels Rechte und die doofen Deutschen

Da war selbst Donald Trump schlauer. Auf den Haaretz-Kommentar von Avraham Burg, der ebenfalls in der Berliner Zeitung übersetzt erschien, hatte ich schon hingewiesen. Darauf bezieht sich an diesem Wochenende Hagai Dagan in der taz.

Über “die Politik” zu lästern, ist mir intellektuell zu bräsig, vereinfachend-falsch – und unendlich langweilig. Aber warum in unserem Land kein Medium vom Niveau der NYT oder von Haaretz betrieben wird, die nun wahrlich unter grossem politischem und ökonomischem Druck arbeiten müssen – das ist für mich eine offene und grosse Frage.

Über den/die Autor*in: Martin Böttger

Martin Böttger ist seit 2014 Herausgeber des Beueler-Extradienst. Sein Lebenslauf findet sich hier...
Sie können dem Autor auch via Fediverse folgen unter: @martin.boettger@extradienst.net