Im Profifussball (der Herren) kommt es gelegentlich noch vor, dass ein Spiel anders ausgeht, als es das Kapital berechnet hat. Gestern war so ein Tag. Der sowieso schon durch Schadensersatzklagen in den USA gebeutelte Bayermonsanto-Konzern, derzeitiger Titelträger, unterlag in einer Stadt, die es nach Meinung nicht weniger Menschen gar nicht gibt. Dieses Nichts ist nun imstande, das komplette Räderwerk des Geldvermehrens aus dem Gleichgewicht zu bringen. Das sind die Geschichten, die die Mehrheit der Fans – ausser im süddeutschen Raum – liebt.
Im ostwestfälischen Raum berauschen sie sich nun an ein paar Milliönchen, die in die klammen Kassen fliessen, und dort gewiss ebenso plötzlich folgenlos verprasst werden, wie es schon in der Vergangenheit des Vereins die Regel war. Geld/Kapital – in Überdosis verabreicht – kann für den Sport tödlich sein.
Noch ist er nicht tot. Und es gibt medienkompetent gebildete Persönlichkeiten, die ihn am Leben halten. Zu ihnen gehört zweifellos Almuth Schult, die soeben ihre aktive Fussballkarriere beendet hat, und von der kompetenten Alina Schwermer/taz eine angemessen kritische Würdigung erfährt: “Hadern im System – Mit Almuth Schult beendet eine der größten deutschen Fußballerinnen ihre Laufbahn. Sie kämpft wie kaum eine mit angemessener Wut für Veränderungen.” Zu ihnen gehört zweifellos auch die dänische Weltklassespielerin Pernille Harder, deren Interview die FAZ-Verlagsgesellschaft flugs digital eingemauert hat.
Und zu denen gehört zweifellos auch der langjährige Gladbach-Spieler und Weltmeister von 2014 Christoph Kramer, der sich zum ZDF-Starkommentator und Bestsellerautor weiterentwickelt hat: “DAS! mit Ex-Fußballprofi Christoph Kramer – Fußballweltmeister 2014 und zugleich unterhaltsamer und analytisch scharfer TV-Experte: So kannten wir Christoph Kramer bislang. Nun hat sich der 34-Jährige auf ein ihm bis dato unbekanntes Feld gewagt – die Literatur. In seinem Roman ‘Das Leben fing im Sommer an’ beschreibt er ein Erwachsenwerden während der Sommermärchenzeit des Jahres 2006.” Video 42 min, 1 1/2 Jahre verfügbar.
Schult, Harder und Kramer sind gelungene Role-Models, weil sie über ihre sportlichen Leistungen und Karrieren hinaus denken und arbeiten – jedenfalls ist das die Rolle, die sie in den Medien so erfolgreich spielen, wie zuvor auf’m Platz. Das ist in ihrem Business nicht die Regel.
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