Fast hätte ich es verpasst. Es gab einen Arbeitsgerichtsprozess zwischen der “Verlagsgesellschaft 8. Mai GmbH” und dem Journalisten Stefan Huth. Der Kollege war mir nie weiter aufgefallen, hier war er ein Mitunterzeichner. In seinem Alter ist der weitgehend gewonnene Prozess eine wertvolle Hilfe auf dem Weg zur Rente…
Die genannte Verlagsgesellschaft ist die, der die Tageszeitung Junge Welt gehört. Ich lese sie online und zitiere sie gelegentlich, meistens – darauf ist sie besonders stolz – wegen abweichender Sichtweisen und Meinungen. Dass ich nie für sie arbeiten musste, darüber bin ich besonders froh. Bevor sich die Jungle World von ihr abgespalten hatte, war ich mit zeitweisen Redakteurinnen befreundet. Das genügte mir. Vollauf.
Auf o.g. Arbeitsgerichtsprozess wurde ich erst durch den verärgerten Kommentar von Ex-Chefredakteur Schölzel aufmerksam: “Der Schwarze Kanal: Das gute Gespür der Rechten”. Darin gibt er seinem Ärger über einen schadenfrohen Bericht seines Ex-Untergebenen und heute mittelberüchtigten Chefredakteurs von telepolis, Harald Neuber, Ausdruck, den ich glatt übersehen hatte (meine Aufmerksamkeit beim telepolis-Studium hat stark abgebaut): “Marxistenblatt mit Millionenlast: Ist die junge Welt am Ende? – Die Tageszeitung steckt wie die Linke in der Krise. Millionenschulden und schwere Fehler. Statt aktueller Nachrichten könnte das letzte Gefecht anstehen.”
Für mehr Transparenz über die Macht in der ominösen Verlagsgesellschaft sorgen beide nicht. Die würde ja nur vom Klassenfeind rücksichtslos ausgenutzt. Wer also Anschauungsmaterial sucht, warum linke Publizistik in der BRD so ausdauernd erfolglos ist, findet hier scheinbar frisches, substanziell dagegen mittel- bis steinaltes Anschauungsmaterial.
Mich erinnert die Sache an den Fall Freitag/Multimillionär Jakob Augstein vs. Ingo Arend, der hatte soeben 15. Jahrestag. Über die Abfindung von Stefan Huth hätte sich Ingo damals sicher sehr gefreut … Wenigstens hat Augstein noch nie von sich behauptet, “Marxist” zu sein.
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