Grüne – erst Explosion, dann Implosion?

Von , am Donnerstag, 25. Oktober 2018, in Lesebefehle, Politik.

Die offene Frage scheint nur die nach der Geschwindigkeit
Mit meinem heutigen mittäglichen grünen Mitesser war ich mir einig: wir wissen “zu viel” über die Grünen, als dass wir den Wähler*innen*zustrom zu unserer Partei noch erklären können. Es gibt aber nicht wenig intellektuelle Hilfestellung von jenen, die zu viel über die Konkurrenz der Grünen wissen.
Zuvörderst ist da heute Albrecht von Lucke/Blätter zu nennen, der ähnlich unbarmherzig mit den Parteien des deutschen Bürgertums umgeht, wie es Ulrich Horn schon seit längerem tut. Lucke bleibt aber auf einer Oberfläche von Parteistrategien.
Zu gesellschaftlichen Tiefenströmungen dringt die um einiges jüngere Elsa Koester/Freitag (vorher: Neues Deutschland) vor. Sie liefert die für mich einleuchtendste Erklärung, warum SPD und Linke die Gesellschaft nicht mehr verstehen, die Grünen aber – seit längerem – anbieten, was relevante Teile des fortschrittlichen Bürgertums jetzt wollen.
Die Missverständnisse der Wagenknecht-Linken finden Sie in diesem schwer lesbaren Carta-Interview mit Bernd Stegemann, Mitgründer von #aufstehen. Das Wort “Signifikant” kannten wir im Ruhrgebiet nicht. Das lernte ich erst an der Uni, und da war es ein Adjektiv/Adverb, aber der menschliche Erkenntnisprozess ist prinzipiell unabschliessbar.
Koester und Stegemann wissen zu viel über die Linken, SPD-Mitglieder zu viel über sich und ihre Mitgenoss*inn*en; statt gesellschaftlicher Gegenkräfte kämpfen sie gegen Imaginationen, von denen sie in ihrem selbstreferentiellen Parteialltag umgeben sind. So haben wir alle unser Päckchen zu tragen. Von Lucke erkennt richtig, dass wir alle keine Siegperspektive vor Augen haben. Es dominiert Schicksalsergebenheit. Eine Hilfe ist das für Niemanden.
Was können Sie also tun? Ich werde noch oft meine Empfehlung wiederholen: wenn Sie zu einer Partei tendieren, gehen Sie hin, und schauen Sie sich die von innen an. Worüber reden die? Interessiert Sie das? Ist das wichtig? Ist es in die richtige Richtung? Wenn Sie das alles mit “Ja” beantworten können, bleiben Sie da und machen Sie mit. Schlechter wird dadurch nichts.

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