Thilo Thielke/FAZ macht heute von seinem Korrespondentenposten in Nairobi auf etwas aufmerksam, was sich in gut 1.000 km Entfernung ereignet: ein erneuter Krieg auf dem Staatsgebiet Somalias. Die Quelle dieser Nachricht kommt aus gut 10.000 km Entfernung: aus der International Crisis Group (ICG), die nur gut 400 km entfernt von Thielkes Redaktion in Frankfurt arbeitet. Die Welt ist klein. Hier der ICG-Originalbericht, über den Thielke schreibt, den die FAZ aber leider nicht verlinkt hat.
In der Sache erscheint mir Thielkes und der ICG Darstellung – leider – weitgehend korrekt. Trotzdem sollten wir uns Quellenrecherche und -kritik nicht ersparen. Die ICG stellt sich mir wie eine multilaterale SWP dar: scheinbar, vielleicht auch mehr oder weniger tatsächlich, eine Nicht-Regierungsorganisation (“NGO”), finanziert aber überwiegend von Regierungen oder von Stiftungen, die mit diesen Regierungen kooperieren und (politisch) verbunden sind. Das spricht nicht zwingend gegen die Qualität der von dort gelieferten Analysen, muss aber zur Identifizierung beteiligter Interessen in Rechnung gestellt werden. Zur ICG sind solche Veröffentlichungen in deutschen Medien sehr sparsam gesät. Vor acht Jahren hat sich Harald Schumann im Tagesspiegel des Themas angenommen. Unklar bleibt für mich, ob die US-Regierung unter Trump weiterhin so umfangreich finanziert, oder ob es neue interne Konflikte gibt – darüber schweigen die Beteiligten immer und überall gern.
Wir kommen nicht drumherum: die Entscheidung, wem wir vertrauen, und was wir für richtig oder falsch halten, müssen wir selbst treffen.

Über den/die Autor*in: Martin Böttger

Martin Böttger ist seit 2014 Herausgeber des Beueler-Extradienst. Sein Lebenslauf findet sich hier...
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