Die irren Maßstäbe der öffentlichen Aufmerksamkeit
Ich fange mal mit der Wichtigsten an: Elizabeth Warren will gegen Donald Trump kandidieren. Frauke Steffens/FAZ beschreibt ihre und der US-Demokraten Ausgangslage. Sie vermutet bis zu 40 Bewerbungen, nicht wenige linke Progressive darunter. Ob sie sich einigen können? Besser als wir hier es tun? Das wäre das Wichtigste.
Bei uns dagegen beherrscht heute die Schlagzeilen, was für ein Steak ein gewisser Franck Ribery gefrühstückt hat. Ich bin zu alt dafür, mich darüber aufregen zu können. Wer sich darüber aufregt, hat die letzten 50 Jahre des Fußballkonzerns aus dem süddeutschen Raum nicht zur Kenntnis genommen. Der Monsieur Ribery war schon nicht weit weg, als die französische Nationalmannschaft in einer ihrer schlimmsten Krisen mit einer Erpressungsaffäre aus dem Prostitutionsmilieu beschäftigt war. Er selbst hatte einen ähnlichen Prozess am Hals, kam aber mit einem Freispruch raus. Wer dazu seinerzeit seine Stimme nicht erhob, sollte schweigen. Oder sich wenigstens über die wichtigen Dinge beim gleichen Konzern in München aufregen, die unser Gastautor Glenn Jäger für die Junge Welt noch mal in aller Kürze zusammengefasst hat.
Niemand von denen, die sich jetzt über Ribery aufregen, wird Hartmut Rosa kennen. Das ist aktuell einer der bemerkenswertesten Soziologen unserer Sprache. Naja, sicher auch, was seine publizistische Selbstvermarktung betrifft. Das, was er hier im Interview von DLF-Kultur sagt, das war Thema in den meisten Familiengesprächen der diesjährigen Jahresendfeiern. Und ist vielleicht das wichtigste und gleichzeitig am wenigsten beachtete Mediending der nachrichtenarmen Tage.