Wieviel Zeit bleibt?

Von , am Montag, 5. August 2019, in Lesebefehle, Politik.

Der politische Diskurs in der Hauptstadt, von “politischer Klasse” und sie begleitender, eingebetteter Medien, hat sich vom gesellschaftlichen Leben weitgehend abgekoppelt, dreht sich um sich selbst: das wird “selbstreferentiell” genannt. Wen interessiert die Grünwende von Söder und sein Versuch, die CSU schneller zu verwandeln, als es der Kanzlerin mit der CDU gelungen ist, ausser die Betroffenen selbst? Oder gar, wer das schönste Amt nach Papst haben will? Ist das wichtiger als ein Sack Reis?

Machen sie am Golf das Licht aus?

Zwei Fragen dominieren unser aktuelles Weiterleben: werden die “Verrückten, die die Welt regieren” in Kürze am Persischen Golf das Licht ausschalten? Die Bundesregierung will unbedingt dabei sein, auch die Herren Habeck und Gabriel von der Seitenlinie – nein nicht persönlich, es gibt ja genug Dumme, die sich als Soldat*inn*en verheizen lassen würden. Weniger als ein Drittel der Wähler*innen findet das gut. Aber beim Mitmachen muss Politiker*innen*opportunismus ausnahmsweise mal zurückstehen.
Die andere, zu Recht immer heisser diskutierte Frage ist, wieviel Zeit der Klimawandel noch lässt. Und die Frage, welches der beiden Feuer schneller entbrennt.

Was geht schneller: natürliche Pflanzenzucht oder Konzernmacht beenden?

Der geschätzte Christian Schwägerl hat zwei junge Grüne kennengelernt, die sich auch diese Gedanken machen. Sie haben eine wichtige Ursache gegenwärtiger Probleme richtig erkannt. Laut Schwägerl: “Sie wollen den Konzernen die Kontrolle über die Grüne Gentechnik entreißen und die Pflanzenzucht ganz in den Dienst des Gemeinwohls stellen.” Darüber freut sich Kollege Schwägerl, dass die zwei sich so undogmatisch mit der Gentechnik auseinandersetzen. Quizfrage: was geht schneller? Gentechnik den Konzernen entreissen – oder natürliche Zuchtentwicklung?

Viele haben keine Zeit zu warten

Noch weniger Zeit für Grundsatzfragen haben Menschen, die sich mit der Gegenwart des Rassismus auseinandersetzen müssen. Nach Hans Sarpei hat sich auch der Schalker Gerald Asamoah gemeldet: „Seine Äußerung hat mich sehr überrascht, geschockt und auch verletzt. Er beleidigt mich und alle anderen Betroffenen. … Das können wir nicht dulden. … Ich bin ehrlich gesagt etwas sprachlos. … Ich arbeite schon lange mit Clemens Tönnies zusammen und wir sind auch schon lange eng befreundet. … Mir gegenüber hat er sich nie rassistisch verhalten. … Nichtsdestotrotz werden wir uns zeitnah zusammensetzen, denn so etwas darf nicht passieren (!!) und es ist traurig, dass wir 2019 immer noch über so etwas sprechen müssen.“ (Asamoah auf Instagrem, zitiert nach dpa/FAZ). Das muss mann wohl Pragmatismus nennen. Friedrich Küppersbusch freut sich für die schweinefleischlos gefütterten Leipziger Kita-Kinder, denn durchschnittlich ein Drittel des Fleisches wäre nach Wahrscheinlichkeitsrechnung von Tönnies gewesen.
Die beeindruckende Vietdeutsche Mai Duong Kieu erzählt Nhi Le in einem aufschlussreichen taz-Interview, wie kompromissorientiert sie ihre Schauspielkarriere angehen musste – in der viel gefeierten ZDF-Serie “Bad Banks” war sie ein Leuchtturm, der in Erinnerung blieb.
Noch viel weiter unten starten die Flüchtlinge aus Syrien. Die DLF-Europaredaktion startete heute eine Reportagereihe von Susanne Güsten über ihre Lage und ihre Überlebensstrategien in der Türkei.
Sie alle können nicht warten, bis die Herrschenden dieses und anderer Länder den Kontakt zur Realität wiedergefunden haben.

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